Schäfer-Gümbel - Hoffnungsträger trotz Wahldebakel

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Deutsche Presse-Agentur

Mit minus 13 Prozentpunkten zum Hoffnungsträger avancieren kann man derzeit wohl nur in der hessischen SPD. Doch in der gebeutelten Partei herrscht breite Einigkeit, dass ihr am Sonntag geschlagener Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel der richtige Mann ist.

Er soll die Sozialdemokraten zwischen Frankfurt und Kassel wieder mehrheitsfähig zu machen. SPD-Generalsekretär Norbert Schmitt brachte die Stimmungslage am Montag auf den Punkt: „Er ist ins kalte Wasser geworfen worden und hat keinen Bauchplatscher hingelegt, um das mal auf hessisch zu sagen. Er hat richtig toll gekrault.“

Den Linken in dem zerstrittenen Landesverband gefällt, dass der 39-Jährige einer der ihren ist. Konservative Genossen schätzen neben seiner Kompetenz seine Integrationsfähigkeit, die sie an seiner Vorgängerin Andrea Ypsilanti zuletzt vermissten. Dabei hat Schäfer- Gümbel mit Ypsilanti manches gemein - etwa die Herkunft aus einfachen Verhältnissen. Als Sohn eines Zeitsoldaten wuchs er in der Gießener Nordstadt auf, wo Abitur und Studium nicht selbstverständlich waren. Doch ein Lehrer überzeugte die Eltern, dem ältesten ihrer vier Kinder mehr als die Mittlere Reife zu ermöglichen.

Mit einem Stipendium der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung machte Schäfer-Gümbel sein Examen in Politikwissenschaft und stieg dann in die damals SPD-geführte Gießener Stadtverwaltung ein. 2003 wechselte er in den Landtag. Ohne selbst nach vorne zu drängen, galt er bald als fleißiger Zuarbeiter und Gefolgsmann Ypsilantis, deren Linkskurs er unterstützte. Doch als es an die Postenvergabe beim geplanten rot- rot-grünen Projekt ging, wurde Schäfer-Gümbel übergangen.

Seine Chance kam mit Ypsilantis spektakulärem Scheitern. Niemand in der Führungsriege verspürte Lust, die Partei in die sich abzeichnende Niederlage zu führen. Doch Schäfer-Gümbel sagte Ja. Mit Elan, Selbstbewusstsein und trockenem Humor gelang es ihm, sich bekanntzumachen und im persönlichen Vergleich mit Amtsinhaber Roland Koch (CDU) aufzuholen.

Den Absturz der Hessen-SPD konnte Schäfer-Gümbel zwar nicht verhindern, aber der voraussichtliche künftige Partei- und Fraktionschef verschaffte sich Respekt. Jedenfalls witzelt niemand mehr über sein - von extrem dicken Gläsern erzwungenes - Brillengestell und den Doppelnamen, den er seiner Frau Annette zuliebe angenommen hat. Für sie ist er auch vom katholischen zum evangelischen Bekenntnis übergetreten. Das Paar hat drei Kinder.

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