Samy Deluxe: „Ich habe den Drang, mir das Publikum zu erspielen“

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Rapper Samy Deluxe
Rapper Samy Deluxe (Foto: Linda Seiss)
Schwäbische Zeitung

Rapper Samy Deluxe stand am Freitag als erster Künstler beim Honberg-Sommer auf der Bühne. Normalerweise ist der Hamburger Musiker ganz große Festivals gewöhnt. Warum er aber auch die Bühne des Honberg-Sommers schätzt, hat er Redakteurin Linda Seiss in einem Interview erzählt.

Samy, bist Du zufrieden mit dem Konzert?

Ja, das war sehr schön. Wir waren ja zum zweiten Mal hier. Und ich hatte es auch vom letzten Mal super nice in Erinnerung. Und auch dieses Mal hat es echt wieder Spaß gemacht. Es war heiß, wir haben gut geschwitzt – drei bis vier Kilo sind auf jeden Fall wieder runter (lacht).

Du spielst auch in größeren Hallen, das hier war eher ein intimeres Konzert – was gefällt dir besser?

Die Abwechslung ist das Schöne. Wir haben am 3. Juli beim Tollwood-Festival in München gespielt. Das war ausverkauft, es sind 5000 Leute nur für mich gekommen. Das ist natürlich mega, wenn eine Riesen-Crowd nur für dich da ist. Aber ich mag es auch, wenn bei einem Festival wegen des Line-Ups ein gemischtes Publikum da ist und nicht jeder kommt, um mich zu sehen. Ich hab so ein bisschen den Drang, mich zu beweisen und will mir das Publikum erspielen. Wenn man wieder in kleineren Clubs ist, dann herrscht da diese super nahe Atmosphäre, das ist auch special. Deswegen bin ich gerne im Winter in Clubs unterwegs und im Sommer auf Festival-Bühnen. Die Abwechslung macht es aus, ich würde mich nicht gerne für eins entscheiden müssen.

Wie kam es zu deiner Liebe zum Rap?

Wie jede Leidenschaft, glaube ich. Man hört irgendwas oder sieht irgendwas und fühlt da so eine Energie, die einen dazu bringt, dass man es selber machen will. Ich war schon immer Fan von Musik. Aber als Michael Jackson Fan hat mich trotzdem nichts dazu bewegt, den Moonwalk zu lernen oder so hohe Töne zu singen. Aber als ich Rap gehört habe, habe ich gleich mitgerappt. Ich habe gehört, dass die Rapper mit ihrem Mund Geräusche machen, die wie Beats klingen. Ich habe gehört, dass das Beatboxen heißt. Das hat mich gleich so angesprochen im Sinne von: Das kannst du auch. Mich hat am Hip Hop immer fasziniert, dass es eine facettenreiche Kultur ist. Es gibt mit Graffiti die Kunstebene, mit Breakdance eine Tanzebene, es gibt diese ganze Fashion-Ebene, wie man sich anzieht, es gibt den Slang und die Sprache, den Rap. Es gibt die Producer, die DJs. Und ich habe mich außer für das Breakdancen für alle diese Ebenen interessiert. Ich bin einfach ein Student dieser Kultur geworden. Und mittlerweile bin ich eben Professor.

Du äußerst dich in deinen Texten sehr gesellschaftskritisch. Findest du es wichtig, dass Künstler wie du auf Missstände in einer Gesellschaft aufmerksam machen?

Ich finde es wichtig, dass Leute über das reden, was sie wirklich interessiert. Wenn dein größtes Interesse Fußball ist, dann ist es vollkommen legitim, wenn du in Interviews darüber redest. Ich persönlich finde Fußball furchtbar. Deshalb habe ich noch nie etwas Gutes über Fußball gesagt. Meine Interessen waren schon immer – also über die Musik hinaus – im humanitären Bereich. Ich finde es nicht wichtig, dass jeder Rapper über Politik redet. Warum sollen uninteressierte Leute über Politik reden? Man soll immer in seinem Interessensbereich und seinem Bildungsbereich bleiben. Dort, wo sein stärkstes Argument ist. Dann kann man diese Themen auch in der Öffentlichkeit vertreten und kommt natürlich rüber. Ich habe oft das Gefühl, dass es Promis gibt, die meinen, dass es zu diesem Job Promi sein gehört, sich zu engagieren. Aber jeder muss das machen, worauf er Bock hat. Ich habe seit 15 Jahren einen Verein, bei dem ich Jugendarbeit mache. Mir war es immer wichtig, nicht nur zu reden, sondern auch etwas zu machen. Und ich unterstütze viele Projekte, das war immer schon ein Teil meiner Persönlichkeit. Aber wenn die Leute ihr Geld nur für Champagner und Koks ausgeben wollen, dann sind das für mich auch keine schlimmeren Menschen. Ich mag dieses each one teach one, dieses Weitergeben von Wissen und dieses Weitergeben von Möglichkeiten von Plattformen. Das war schon immer mein Ding.

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