Südafrikas Wein feiert 350-jähriges Jubiläum

Lesedauer: 4 Min
Deutsche Presse-Agentur

Südafrikas Weinindustrie feiert sich selbst: Vor 350 Jahren begann in Kapstadt eine Erfolgsstory, die den Kap-Staat zum heute neuntgrößten Weinproduzenten der Welt gemacht hat.

Am 2. Februar 1659 notierte Jan van Riebeck - er hatte einst für die Segelschiffe der Ostindien-Kompagnie in Kapstadt eine Art Erfrischungsstopp eingerichtet - in sein Tagebuch: „Heute wurde - Gott sei Dank - erstmals Wein aus Kap-Trauben gepresst!“ Seine Nachfahren bescherten der Welt Spitzenprodukte wie den „Vin de Constance“, der schon Preußens „Alten Fritz“ erfreute oder Napoleon die Verbannung auf St. Helena versüßte.

In den Weinbergen am Kap ist die Lese gerade in vollem Gange. „Vor allem die Rotweine dürften dieses Jahr großartig werden“, meint Kellermeisterin Belinda van Eyssen von KWV, einem der größten Weinproduzenten des Landes. Sie sagt speziell dem Shiraz dieses Jahr ungewöhnlich gute Aromen voraus. Mit Südafrikas Weinexperten Michael Fridhjon hält sie die Wiederentdeckung des Riesling für eine der vielversprechendsten Tendenzen der Branche, die sich mit edlen Tropfen gerade für die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 rüstet.

Der nationale Weinverband WOSA finanziert mit 17 500 Kisten seines speziell geschaffenen Rotweins „Fundi“ gerade die Ausbildung von 2 000 Wein-Kellnern, die bis zu dem sportlichen Großereignis die gastronomische Landschaft am Kap bereichern sollen (der Name ist dem Zulu-Wort Umfundi - Schüler - entlehnt). Früher kam das Wissen vom Weinbau vor allem von eingewanderten niederländischen, deutschen und französischen Winzern, die für die Reben an Afrikas Südspitze verantwortlich zeichneten. Einzigartig ist die Rebsorte Pinotage als Produkt vom Kap, das es sonst nirgendwo auf der Welt gibt.

Seit Nelson Mandela 1994 als erster schwarzer Präsident des Landes den Apartheid-Boykott hinfällig machte, hat sich der Weinexport vervielfacht. Rund zwei Milliarden Euro trägt die Branche zum Brutto-Inlandsprodukt bei. 425 Güter im Lande produzieren fast 4300 verschiedene Weine, fast 50 Prozent der Weinreben wurden neu im vergangenen Jahrzehnt angepflanzt. Die Deutschen gehören mit Briten und Niederländern zu Südafrikas wichtigsten Kunden. 208 000 Menschen leben am Kap von Weinanbau und dem Geschäft rund um die Weinrebe.

Auf mehr als 400 Millionen Liter wird das Exportvolumen für vergangenes Jahr geschätzt. Dennoch macht es weltweit gerade mal drei Prozent des Handels aus - Südafrika bleibt eher ein Nischenmarkt. Klein, aber fein, hat es mit guter Qualität zu erschwinglichen Preisen seinen Platz auf dem Weltmarkt gefunden. Nach dem Apartheid-Ende drängen nun auch schwarze Geschäftsleute in den Weinberg - es ist eine der grundlegenden Veränderungen seit dem Beginn des Kap-Weinanbaus. Schwarze und gemischtrassige Jung-Winzer vom Kap gehen jetzt auch den Weg, den die Demokratie 15 Jahre nach Ende der Apartheid auch in Sachen Wein zurückgelegt hat.

Winzerinnen wie Ntsiki Beleya sind ein Beispiel dafür: Sie kommt aus dem tiefsten ländlichen KwaZulu-Natal. Selbst dort wird nun Wein produziert - gute Qualität bescherte dem Rebsaft aus Zulu-Landen auch international bereits Achtungserfolge.

www.wosa.co.za

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen