Rustikales Ambiente seit 120 Jahren

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 Frank und Charlotte Selbherr betreiben das Wirtshaus Paradies seit fünf Jahren. Das Gebäude wurde 1898 erbaut.
Frank und Charlotte Selbherr betreiben das Wirtshaus Paradies seit fünf Jahren. Das Gebäude wurde 1898 erbaut. (Foto: Dirk Thannheimer)
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Bad Saulgau - Das Wirtshaus Paradies in Bad Saulgau ist vor 120 Jahren erbaut worden. Es steckt voller Geschichten und einer langen Tradition, die Eigentümer Frank Selbherr fortführt. Selbherr erwarb vor fünf Jahren das Wirtshaus und feiert seit ein paar Wochen das 120-jährige Bestehen des Wirtshauses am Paradies-Kreisel mit verschiedenen Heimatessen. Am Samstag, 7. Oktober, serviert er seinen Gästen Spanferkel.

Der Saulgauer Ochsenwirt Stützle war 1898 der Bauherr des Wirtshauses Paradies. Er hatte den Bauantrag damit begründet, dass es den Männern nicht zumutbar gewesen sei, zum Biertrinken das Bahngleis zu überqueren. 1919 erfolgte der Erwerb des Wirtshauses durch Georg Hillenbrand senior. 1926 wurde das Wirtshaus um eine Metzgerei und eine Kegelbahn erweitert – damals noch aus Freilichtbahn. In den ersten 20 Jahren gab es 21 verschiedene Pächter. Und trotz des häufigen Pächterwechsels und mehreren Renovierungen blieben vor allem der rustikale Charakter und das Ambiente erhalten. Bis heute. „Ich bin dem Stil des Wirtshauses treu geblieben“, sagt Frank Selbherr.

Keine Anfangsschwierigkeiten

Der 38-Jährige hatte sich vor fünf Jahren für den Kauf des Wirtshauses entschlossen, nachdem gegen die aus den beiden Brüdern Markus und Hans-Jürgen Hillenbrand bestehende Gesellschaft des bürgerlichen Rechts ein Insolvenzverfahren eingeleitet worden war. Die Brüder hatten den elterlichen Betrieb 1996 übernommen und stellten dann den Betrieb ein. Selbherr bekam ein Zuschuss aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum und modernisierte vor der Eröffnung im Oktober 2013 das Wirtshaus, ohne jedoch dem Wirtshaus seine Seele zu rauben.

Vom ersten Tag an sei er davon überzeugt gewesen, das Wirtshaus erfolgreich betreiben zu können. Anfangsschwierigkeiten habe es keine gegeben. „Ich bin sehr zufrieden“, so Selbherr. Zufrieden mit sich, seinem Team und vor allem seinen Gästen, die das Wirthaus besuchen – Vereine, Jahrgänger, Einheimische, Auswärtige, Kegelbrüder, junge Menschen, ältere Leute. „Die Mischung ist perfekt“, sagt Selbherr, der Wert darauf legt, die meisten Gerichte selbst herzustellen. „Das ist mir sehr wichtig.“ Er sei, so Selbherr, so langsam im sicheren Hafen angekommen. Und Frank Selbherr baute sich noch ein zweites Standbein auf. Seit zwei Jahren ist er Pächter des Cafés an den Schwarzachtalseen. Selbherr pendelt im Sommer zwischen Ertingen und Bad Saulgau, muss den Dienstplan organisieren und seine 40 Mitarbeiter einteilen. Die Doppelbelastung macht ihm nichts aus. „Mir macht die Arbeit einfach viel zu viel Spaß.“ Wenn die Feierlichkeiten anlässlich 120 Jahre Wirtshaus Paradies vorüber sind, gönnt er sich und seiner Familie zwei Wochen Urlaub, ohne aber das Wirtshaus zu schließen. „Ich kann mich auf mein Team verlassen“, sagt Selbherr. Wenn er wieder nach Hause kommt, wird er sich wahrscheinlich mit seiner Frau Charlotte an den Stammtisch setzen und einen Schluck Bier aus dem Steinkrug trinken. Der hat die Aufschrift: „Dahoim in Paradies“.

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