Ruhpolding ist nicht nur für Biathleten reizvoll

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Deutsche Presse-Agentur

Es ist ein Wintersportgebiet ohne halsbrecherische Skipisten - aber mit vielen anderen Reizen: Ruhpolding in Bayern. Bekannt geworden ist der Ort vor allem als Biathlon-Zentrum, doch nicht nur Spitzensportler kommen dort auf ihre Kosten.

Artus und Wotan dampfen. Die beiden Alt-Oldenburger mit dem glänzenden schwarzen Fell und den Glocken um den Hals haben eine anstrengende Tour hinter sich. Kutscher Martin Gasteiger hat sie vor einen Schlitten gespannt und ist mit einer Handvoll Urlauber zu einem der beeindruckendsten Orte gefahren, die das bayerische Biathlon-Zentrum Ruhpolding zu bieten hat: den Rauschberg bei Sonnenuntergang.

Rot leuchtet der schroffe Hang, der dem Ort zugewandt ist. Ein paar Berge weiter verabschiedet sich die Sonne. Der Rauschberg allerdings ist eine Besonderheit inmitten der Wintersportgebiete der deutschen Alpen: Auf ihm gibt es keine Pisten. Zwar hat der 1671 Meter hohe Berg einen Hang, aus dem viele Skigebiete eine Piste machen würden. Aber es geht ausgesprochen steil hinunter - und es sind nur ein Aussichtspunkt und einige Wanderwege auf dem Gipfel des Hausberges zu finden.

„Der Rauschberg hat seinen Namen weder von Alkoholexzessen noch von einer üppigen Almrauschblüte“, sagt der Kutscher. „Rausch“ war das bleihaltige Gestein, nach dem an dem Berg geschürft wurde. Schon seit fast 60 Jahren allerdings ist der Tourismus das Hauptgeschäft.

Schwer tun wird sich in Ruhpolding die Klientel der „Schwarz-Abfahrer“. „Bei uns geht es eher gemütlich zu“, sagt Tourismusdirektor Martin Haßlberg. „Wir haben zwei Skigebiete - eines am Unterberg mit leichten Hängen, an dem vor allem die Kinder und die Anfänger das Skifahren lernen können.“ Und dann gibt es noch den Westernberg - auch in diesem Skigebiet gibt es nur mittelschwere rote Abfahrten. Wenn doch ein Ski-Freak seine Anfänger begleitet, muss ihm aber nicht langweilig werden - es gibt ja noch die Nachbarn in den Chiemgauer Alpen.

Doch nicht nur für die Abfahrer sind Herausforderungen geboten - auch Langläufer kommen in dem Tal unweit des Chiemsees auf ihre Kosten. „Rund 60 Kilometer Pisten können wir im Winter spuren, wenn es genügend Schnee gibt“, sagt der Tourismusdirektor. Das allerdings ist dem Zufall überlassen - im Tal wird kein Weg beschneit.

Wenn es zu wenig Schnee gibt, bietet sich ein Abstecher in einen Bauernhof an, in dem heiße Luft Geschichte gemacht hat: Im Mühlbauernhof nämlich ist die „Windbeutelgräfin“ untergebracht. Die ostpreußische Gräfin von Sommnitz versuchte sich in den 50er Jahren mit dem Verkauf von Windbeuteln ein Einkommen in Ruhpolding zu sichern. Das Geschäft lief - Frau von Sommnitz war bald die „Windbeutel-Gräfin“.

Unweit des Mühlbauernhofs erstrecken sich zahlreiche Wege, auf denen man die Pfunde nach zu viel Windbeuteln gleich wieder abtrainieren kann: Einige Wege werden von der Gemeinde geräumt oder so präpariert, dass auch ungeübte Flachlandtiroler auf ihnen gehen können. Gewagter ist da schon, sich ins Eisstadion oder auf die zugefrorenen Seen zu bewegen und sich im Eisstockschießen zu probieren. Ebenfalls eine Gaudi ist der Biathlon - und Mitte Januar der Weltcup. Zahlreiche Spitzensportler kommen dann ins südliche Bayern, um sich in der Kombination aus Langlauf und Schießen zu messen. Fast eine ganze Woche dauert das Spektakel, zu dem Ruhpolding sich im Ausnahmezustand befindet. Gästebetten sind dann Mangelware.

Informationen: Tourist-Info Ruhpolding, Postfach 1460; Telefon: 08663/880 60.

Website der Tourist-Information Ruhpolding: www.ruhpolding.de

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