Rotierte Bayern versinken im Mittelmaß - HSV vorn

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Deutsche Presse-Agentur

Hoch gelobt, tief gefallen: Titelverteidiger FC Bayern München steckt nach dem schlechtesten Saisonstart seit 31 Jahren tief im Schlamassel und versinkt nach sechs Spieltagen im Mittelmaß der Fußball-Bundesliga.

Vor allem die Extrem-Rotation von Trainer Jürgen Klinsmann ist nach dem 0:1 bei Hannover 96 heftig in die Kritik geraten. „Die Bayern stehen in der Tabelle da, wo sie derzeit hingehören, nämlich im Mittelfeld“, analysierte „Premiere“- Experte Stefan Effenberg. Bayern-Manager Uli Hoeneß machte keinen Hehl aus seinem Frust über den Absturz auf Platz neun: „Der Blick auf die Tabelle nervt mich.“

Ärgern muss sich auch der FC Schalke 04, der mit dem verdienten 0:1 beim Aufsteiger 1. FC Köln seine Spitzenposition leichtfertig verspielte. „Wir sind noch nicht so groß, solche Spiele zu gewinnen“, gestand Trainer Fred Rutten nach der ersten Saison-Niederlage. Sie ist ein herber Rückschlag in dem „Prozess“, von dem der Niederländer stets spricht. Schalkes Fehltritt ebnete den Weg für einen erneuten Wechsel an der Tabellenspitze. Gleich drei Verfolger zogen tags darauf vorbei: Der Hamburger SV (13 Punkte), Bayer Leverkusen (12) und Werder Bremen (11).

„Hätte mir jemand gesagt, dass wir mit 13 Punkten Bundesliga- Anführer sind, hätte ich das nicht geglaubt“, sagte HSV-Coach Martin Jol, der sich über das Ergebnis freute. Die Art und Weise des wenig berauschenden 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach gab allerdings keinen Anlass zum Jubel. „Es war ein schmutziger Sieg“, gestand Jol.

Leverkusen verbesserte sich am Ende einer perfekten Woche mit dem 3:2-Duselsieg beim VfL Bochum auf Platz zwei, Bremen und Aufsteiger 1899 Hoffenheim boten den Fans beim 5:4 ein Torfestival. Die Trainer waren über das Spektakel aber gar nicht so begeistert. „Ein 4:1 darf man sich nicht so einfach wegnehmen lassen“, monierte Werder-Coach Thomas Schaaf. Sein Kollege Ralf Rangnick, dessen Elf eine halbe Stunde lang in Überzahl agierte, war „brutal enttäuscht“: „Es kann 4:4 ausgehen, aber niemals 5:4 für die Heimmannschaft.“

Nicht nur der einstige Weltklassespieler Effenberg sieht die Ursache für die zweite Saison-Pleite der Bayern eine Woche nach dem 2:5-Debakel gegen Bremen in dem ungewöhnlich regen Austausch von Leistungsträgern. Unter anderem ließ Klinsmann die Brasilianer Lucio und Zé Roberto daheim, bot überraschend Breno und Sosa von Beginn an auf. „Sie haben Probleme, weil sie jede Woche mit einer anderen Mannschaft auflaufen“, kritisierte „Effe“. So könne sich zu Beginn einer Spielzeit kein richtiges Team-Gerüst bilden. „Man kann sich nicht einspielen, wenn wie wild rotiert wird.“

Für den von Verletzungen und Krankheiten geplagten Gegner war die Aufstellung der Bayern-Elf zusätzliche Motivation. „Wir haben uns verarscht gefühlt. Da hat der Trainer gesagt: Jetzt erst recht“, meinte 96-Stürmer Mike Hanke. Dessen Teamkollege Szabolcs Huszti (23.) erzielte per Freistoß das Siegtor gegen den von den Bundesliga- Trainern vor der Saison einmütig zum klaren Favoriten gekürten Rekordmeister. Der muss nun im Champions-League-Spiel gegen Olympique Lyon unbedingt zurück in die Erfolgsspur finden.

Das ist sowohl dem schwach in die Saison gestarteten Team von Energie Cottbus mit dem 1:0 bei „Lieblingsgegner“ Hertha BSC als auch Borussia Dortmund nach zwischenzeitlich peinlichen Auftritten gegen Udine und Hoffenheim mit dem souveränen 3:0-Erfolg gegen den VfB Stuttgart bereits gelungen. Die wundersame Wandlung seiner psychisch und personell angeschlagenen Elf erfüllte BVB-Coach Jürgen Klopp mit Stolz: „Man muss bedenken, woher wir kommen. Es ist noch nicht lange her, da wurden uns Selbstvertrauen und Sicherheit genommen.“

Unterdessen ist in der Eliteliga die erste ernsthafte Trainer-Diskussion schon im Gange: Nach fünf Niederlagen in sechs Spielen und dem blamablen Pokal-Aus in Cottbus wächst die Kritik an Mönchengladbachs Coach Jos Luhukay. Auch wenn für Sportdirektor Christian Ziege die Unruhe von „außen hereingetragen“ wird - der Druck vor dem Kult-Derby gegen Köln nimmt zu. „Ich gehe davon aus, dass ich dann auf der Bank sitze“, sagte Luhukay, der realistisch ist. „Im Moment stimmen die Ergebnisse nicht. Ich denke, da machen sich viele über den Trainer Gedanken.“

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