Rosarote Traumwelt im Barbie-Store in Buenos Aires

Lesedauer: 5 Min
Deutsche Presse-Agentur

Früh übt sich, wer eine „Barbie“ werden will. In der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires können jetzt die ganz Kleinen im weltweit ersten Barbie-Store in die Traumwelt der langbeinigen Grazien eintauchen.

Hinter einer unscheinbaren Fassade können sich die Mädchen dort auf satten 650 Quadratmetern mit allem eindecken, was zum Leben einer ordentlichen Puppe gehört. Und sich sogar selbst in eine Barbie verwandeln. Zumindest ein bisschen.

Während sich die reiferen Argentinierinnen bevorzugt unter das Messer der Schönheitschirurgen legen, geht es in „Barbilandia“ noch harmlos zu: Von pinkfarbenen Radiergummis über Barbie-Shampoo und -Fernseher bis zum Barbie-Golfset bleibt kein Kleinmädchentraum unerfüllt. Die Marketing-Idee „Barbie und ich“ macht es sogar möglich, im Partnerlook mit dem geliebten Plastikwesen nach Hause zu gehen.

Auch die kleine Laura ist begeistert. Mit hingebungsvoll-ernsthaftem Blick schaut die Fünfjährige in einen weiß lackierten Märchenspiegel. Eine Friseurin vom Fach drapiert ihr unter Einsatz von Lockenstab und Herzchenspangen das dunkelbraune Haar zum Modell „Schmetterling“. Währenddessen sitzt Lauras Mama im ganz in Weiß gehaltenen Tee-Salon, vor sich ein Sandwich namens „Regenbogen“ und blättert in einer Illustrierten. „Der Barbie-Store ist ein Ort der Begegnung zwischen den Generationen“, philosophiert Pebly Garcia, Mitglied des Gründungsteams und verantwortlich für Design und Konzept.

Die Idee zu Barbies rosa Wunderwelt entstand 2004. Tito Loizeau, damals noch im Dienste einer Werbeagentur, baute für das US-Spielzeugunternehmen Matell, das die Barbie vor 50 Jahren aus der Taufe hob, ein Barbiehaus in Echtgröße in einem Einkaufszentrum in Buenos Aires. Die Porteños, wie die Bewohner von Buenos Aires auch genannt werden, rannten Barbie die Bude ein, und der Plan war geboren. Dem Konzept „Fashiontainment“ - Mode und Unterhaltung - folgend wurde der erste Barbie-Store der Welt entwickelt. Seit Herbst 2007 brummt das Geschäft: 4000 Kassenzettel wandern pro Monat über den Tresen. Zwei neue Läden sollen noch dieses Jahr in der peruanischen Hauptstadt Lima und in Mexiko-Stadt eröffnen.

Die Preise sind stolz: 120 Pesos (26 Euro) kostet Lauras Schmetterlingsfrisur inklusive Märchenschminke, für 25 Pesos darf sie eine Stunde in der „Casa de Barbie“ spielen. Ungefähr 2000 Pesos verdient ein argentinischer Angestellter im Durchschnitt. „Jedes Kind kann hier einkaufen“, versichert Pebly Garcia dennoch. „Die einen nehmen eben einen Radiergummi für drei Pesos mit nach Hause und die anderen ein Barbiepferd für 200.“

Gleich hinter dem Barbie-Tee-Salon liegt das Puppenparadies schlechthin: Ein Prinzessinnenzimmer in Lebensgröße, Barbies in allen Farben und Formen, eine professionelle Schminkzeile - und ein echter Laufsteg für den Modelnachwuchs. Wer in der „Casa de Barbie“ eine Geburtstagsfeier bucht, darf hier mit der ganzen geschlossenen Gesellschaft flanieren. Unter Anleitung einer professionellen Kindergärtnerin selbstverständlich.

Für Feministinnen ist das Ganze ein Alptraum in Rosarot. Am offiziellen Barbie-Geburtstag am 9. März verbrannten Frauenrechtlerinnen in der Provinzhauptstadt La Plata öffentlich rund 30 Plastik-Beautys - aus Protest gegen die „aufgezwungenen Schönheitsideale“. Und Soziologen klagen, Barbie mache magersüchtig.

Für Laura und ihre Freundinnen dürfte das wenig ändern. Sie laufen argentinischen Studien zufolge ohnehin mit zehnprozentiger Wahrscheinlichkeit Gefahr, eine Essstörung zu entwickeln. Argentinien gehört zu den Ländern mit den höchsten Magersucht- und Bulimie-Raten bei Mädchen. Garcia hält solcher Kritik ihr schönstes PR-Lächeln entgegen: „Ich hatte früher auch eine Barbie, traumatisiert hat die mich bestimmt nicht.“ Wann genau dieses „früher“ war, bleibt ihr kleines pinkes Geheimnis.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen