Rom verlangt Widerruf von Bischof Williamson

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Deutsche Presse-Agentur

Nach zunehmendem Protest auch von Kanzlerin Angela Merkel hat der Vatikan den britischen Bischof Richard Williamson zum Widerruf seiner Holocaust-Äußerungen aufgefordert.

Um als katholischer Bischof vollständig rehabilitiert zu werden, „muss Williamson in unmissverständlicher Weise öffentlich von seinen Erklärungen zur Shoah Abstand nehmen“, teilte der Heilige Stuhl am Mittwoch in Rom mit. Am Dienstag hatte Merkel (CDU) vom Papst eine eindeutige Klarstellung zur Holocaust-Leugnung gefordert. Der Jüdische Weltkongress (WJC) und der Zentralrat der Juden in Deutschland begrüßten die Aufforderung des Vatikans an Williamson. „Dies war das Signal, auf das die jüdische Welt gewartet hat“, hieß es in einer Erklärung des WJC.

Nach Darstellung des Vatikans hat Papst Benedikt XVI. von der Holocaust-Leugnung Williamsons nichts gewusst. Wie schon am 28. Januar vom Kirchenoberhaupt bekräftigt, seien „die Äußerungen von Monsignore Williamson absolut inakzeptabel und werden vom Papst abgelehnt“, hieß es. Am Vormittag hatte sich der Papst auf seiner wöchentlichen Generalaudienz nicht zum Fall Williamson geäußert, der den millionenfachen Mord an den Juden durch Nazi-Deutschland leugnet.

Am 24. Januar hatte Benedikt die Rücknahme der Exkommunizierung von Williamson und drei weiteren Bischöfen der ultrakonservativen und antisemitischen Piusbruderschaft bekanntgegeben. Dies löste einen Sturm der Entrüstung aus - vor allem in Deutschland und bei Juden in aller Welt.

Die Teilrehabilitierung der Traditionalisten, so der Vatikan, habe die vier Bischöfe von einer „schweren Strafe nach kanonischem Recht befreit“, ihnen aber nicht ihre Funktionen innerhalb der Kirche zurückgegeben. „Um eine vollständige Rehabilitierung zu erlangen, ist eine eindeutige Anerkennung des II. Vatikanischen Konzils und der Päpste Johannes XXIII., Paul VI., Johannes Paul II. und Benedikts XVI. selbst unabdinglich“, forderte der Vatikan. Bisher hätten die Traditionalisten kein Recht, ihr Bischofsamt auszuführen. Auch die kirchenrechtliche Position der Piusbruderschaft, die nicht anerkannt wird von der katholischen Kirche, habe sich in keinster Weise geändert durch die Rücknahme der Exkommunikationen.

Nach Angaben des Münsteraner Kirchenrechtlers Prof. Klaus Lüdicke kann der Papst die Aufhebung der Exkommunikation gegen Williamson nicht zurücknehmen. Das katholische Kirchenrecht würde eine neue Straftat Williamsons als Voraussetzung verlangen. Die Leugnung des Holocaust sei das Leugnen einer historischen Tatsache, aber keine Frage des katholischen Glaubens. Insofern könne Williamson, selbst wenn er den Widerruf nicht liefere, nicht erneut exkommuniziert werden.

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, bezweifelte, dass es Sinn mache, Williamson zur Rücknahme seiner Äußerungen zu zwingen. Er vertrete seine Überzeugungen seit vielen Jahren. Es wäre unglaubwürdig, wenn er jetzt davon abrücke, sagte Graumann dem Südwestrundfunk (SWR) in Baden-Baden. Der Zentralrat der Juden hatte zuvor eine unmissverständliche Kurskorrektur des Vatikans verlangt.

Zentralrats-Präsidentin Charlotte Knobloch nannte die Forderung des Vatikans nach einem Widerruf Williamson einen ersten Schritt in Richtung einer Wiederaufnahme des Dialogs mit der Kirche. Die deutliche Aufforderung des Vatikans an Williamson sei ein positives Signal, auf das die Öffentlichkeit schon lange gewartet habe, sagte Knobloch am Mittwoch in München laut Mitteilung. Zuvor hatte sie eine Distanzierung der römisch-katholischen Kirche von der antisemitischen Gruppierung der Traditionalisten gefordert, „die grundsätzlich den Dialog mit den Juden ablehnt, sie als Gottesmörder bezeichnet und Holocaust- Leugner in den eigenen Reihen duldet“.

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion begrüßte den Schritt des Vatikans. SPD-Chef Franz Müntefering forderte in der „Berliner Zeitung“ (Donnerstag) Rom auf, die Teil-Rehabilitierung von Williamson rückgängig zu machen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier stellte sich hinter Merkel. Auf eine entsprechende Frage in der Bundespressekonferenz in Berlin sagte sein Sprecher: „Er unterstützt die Position.“ Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte, Merkel habe inzwischen auch mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch (Freiburg), telefoniert. Zu Einzelheiten des Gespräch nahm Wilhelm nicht Stellung.

Zollitsch betonte in einer eigenen Erklärung, die Aufforderung des Vatikans an Williamson gebe Klarheit, „dass für Leugner des Holocaust kein Platz in der katholischen Kirche ist“. Ein klarer Widerruf der Äußerungen Williamsons sei notwendig. „Er muss aber durch zusätzliche Klärungen ergänzt werden“, betonte Zollitsch.

Nach der Aufforderung Merkels an den Papst bahnte sich Streit mit Vertretern der Kirche in Deutschland an. Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke erklärte, es sei „unbegreiflich und empörend, wenn selbst die deutsche Bundeskanzlerin vom Papst klare Worte fordert in einem Zusammenhang, in dem gerade Papst Benedikt es nie an Eindeutigkeit hat fehlen lassen“. Der Augsburger Oberhirte Walter Mixa sprach laut Mitteilung von einem „politischen und diplomatischen Fehlgriff“ Merkels. Der Münchner CSU-Europaabgeordnete Bernd Posselt warnte die Kanzlerin davor, „sich weiterhin als Lehrmeisterin des Papstes zu gerieren“.

Am Dienstagabend hatte Vatikansprecher Federico Lombardi erklärt, die Verurteilung jeder Holocaust-Leugnung durch den Papst hätte „klarer nicht sein können“. Lombardi hatte darauf verwiesen, dass Benedikt unter anderem auch am Mittwoch der Vorwoche seine „volle Solidarität“ mit den Juden bekräftigt und sich von einer Leugnung der Judenvernichtung distanziert habe.

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