Ribérys Geschenk für Podolski

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Deutsche Presse-Agentur

Erst beschenkte Franck Ribéry sich und den FC Bayern, dann Lukas Podolski. Als der Franzose nur acht Minuten nach seinem Führungstreffer zum 2:1 im Bielefelder Strafraum zu Boden gegangen war, verzichtete Bayerns Mittelfeld-Boss auf sein Elfmeter-Recht und leistete damit Aufbauhilfe für das Münchner „Sorgen-Kindl“.

Podolski schnappte sich den Ball und verwandelte seinen sechsten Liga-Strafstoß sicher zum 3:1 (1:1)-Endstand. „Sonst schieße ich die Elfmeter. Aber ich mag Lukas sehr. Er wollte schießen und hat dieses Tor gebraucht“, sagte der französische Fußball- Nationalspieler, der den fünf Pflichtspielsiegen in Serie in der Champions League gegen den AC Florenz Nummer sechs folgen lassen will.

Mit seinem von Podolski aufgelegten Treffer zum 2:1 (76. Minute) hatte Ribéry, der immer mehr zu alter Klasse findet und jetzt dreimal in Serie traf, kurz vor dem 3:1 das lange unüberwindbare Abwehrbollwerk endlich geknackt und den hochverdienten Sieg im Einbahnstraßenfußball eingeleitet. 37:2 Torschüsse, 20:0 Ecken und die Höchstzahl von 46 Ballkontakten für den herausragenden Gäste-Torwart Dennis Eilhoff - Bayern-Powerplay pur. Aber Manager Uli Hoeneß sieht noch Luft nach oben.

„Das war ein Sturmlauf, wie ich ihn lange nicht gesehen habe. Aber im Soll sind wir erst, wenn wir auf Platz eins sind“, befand Manager Uli Hoeneß, der dem zuletzt kräftig abgewatschten Podolski noch in der Kabine gratulierte. „Wenn er immer so spielen würde, hätte er weniger Probleme hier.“

Was für ein Tag lag hinter Podolski, dem am späten Abend beim Siegerposen-Foto mit Kumpel Felix Sturm im Box-Ring nach dessen Erfolg nochmal durch den Kopf geschossen sein dürfte, wie sehr in den letzten Tagen auch auf ihn eingeprügelt worden war. Fast schon wie ein K.o.-Schlag war die Ersatzbankrolle gegen Bielefeld trotz des neuerlichen Ausfalls von Luca Toni, dann aber kam er rein und war entscheidend am Sieg beteiligt. „Ein Tor gemacht, eins vorbereitet. So kann es jetzt weiter gehen“, sagte der 23-Jährige, der die weitere Entwicklung kritisch beäugt. „Es ist nachvollziehbar, dass ich mir bis zur Winterpause Gedanken mache, wie es weiter geht.“

Bei den Bayern kann es nach Jürgen Klinsmanns Wünschen so weitergehen wie zuletzt. In nur zwei Wochen katapultierte sich das Team von Platz elf auf drei. „Wir werden punkten, punkten und noch mal punkten und dann sehen wir kurz vor Weihnachten, wo wir stehen“, sagte der Trainer, der mit Martin Demichelis nicht zufrieden sein konnte. Gegen Frankfurt leistete sich der Argentinier noch ein Eigentor, gegen Bielefeld verursachte er den Elfmeter, mit dem Artur Wichniarek (30.) das 1:0 von Miroslav Klose (25.) ausglich. Klose überholte in der ewigen Liga-Statistik mit Tor 111 Klinsmann (110).

Die Mir-san-mir-Mentalität ist in München zurück, in Bielefeld bleibt zumindest die Hoffnung. „Wir fahren mit einer verdienten Niederlage, aber erhobenen Hauptes zurück nach Bielefeld“, sagte Geschäftsführer Roland Kentsch. Die Gäste, die nach dem Spiel wegen eines Podolski-Fouls und dem Ribéry-Faller vor dem Strafstoß Kritik übten, hatten Beton angerührt. Umso bitterer war es, dass sie beim Stande von 1:1 ausgekontert wurden. „Wir müssen unsere Punkte woanders holen“, meinte Thorben Marx. Nicht bis zum Ende hielt Robert Tesche durch, der nach grobem Foul an Ribéry (82.) Rot sah.

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