Report: Waffenhändler fühlen sich am Pranger

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Deutsche Presse-Agentur

„Zutritt nur für Volljährige“. Mit drei handgeschriebenen Zetteln hat der Veranstalter der ersten Sindelfinger Waffenmesse deutlich gemacht, dass Teenager bei der Schau für Sport- und Sammlerwaffen nichts verloren haben.

Auch wenn es keine Demonstrationen gegen die Waffenschau gab: Der Amoklauf im nur 45 Kilometer entfernten Winnenden war Dauerthema bei der Messe, die Betroffenheit über die 16 Toten groß.

Gleichzeitig wurde bei den 108 Ausstellern aber auch Empörung laut. Empörung darüber, dass die Stadt Sindelfingen am Donnerstag versucht hatte, die Messe abzusagen, und sich nur per Beschluss des Verwaltungsgerichtshofs davon abhalten ließ. Die Querelen schlugen sich auch massiv in den Besucherzahlen nieder, wie Veranstalter Wolf Krey am Sonntag betonte. „Statt der erwarteten 20 000 Besucher kamen nur 2000.“ Er zeigte sich überzeugt: „Das lag weniger an dem Amoklauf als an dem zunächst ausgesprochenen Verbot für die Messe.“

Verärgert äußerte sich Krey auch darüber, dass einige Politiker eine Verschärfung der Waffengesetze fordern. „Eine Waffe ist erst mal nur ein Stück Eisen.“ Die Verantwortung trage derjenige, der den Finger am Abzug habe, und nicht der Händler. Diese stünden zu Unrecht am Pranger.

Dass Minderjährige die Messe nicht besuchen durften, sei selbstverständlich, sagte Krey zu den zusätzlichen Auflagen der Stadt. Weniger Verständnis gab es hingegen an den Ständen dafür, dass keine Munition verkauft werden durfte. „Das ist nicht akzeptabel und bestimmt auch nicht rechtmäßig“, sagte Jürgen Mascow (68) aus Flensburg. Er biete seit 25 Jahren Waffen an. Kaufen dürfe bei ihm grundsätzlich nur, wer die entsprechenden Berechtigungsscheine habe.

„In all den Jahren ist noch nie etwas mit den Waffen passiert, die wir verkauft haben“, betonte seine Frau Sylvia Mascow (66). In ihren Augen wäre es Sache des Vaters gewesen, die Waffe so wegzuschließen, dass der 17-Jährige sie nicht hätte nehmen können. „Unser Sohn wäre nie an unsere Waffen gekommen.“ Da gebe es klare Gesetze. „Wäre die Waffe ordnungsgemäß aufbewahrt worden, wäre es nicht passiert.“

Auf diesem Standpunkt standen auch andere Händler und Käufer. „Man gibt schon dem Vater die Schuld. Ich habe auch scharfe Waffen, aber die bleiben im Panzerraum“, sagte etwa Klaus Brase (66) aus Niederbayern. Amokläufe seien Folgen gesellschaftlicher Probleme und hätten mit der Messe einfach nichts zu tun. „Wir können nichts dafür.“ Er verkaufe Waffen aus der Zeit von 1600 bis 1870 - reine Sammlerstücke.

„Es ist bedauerlich, dass legale Waffenbesitzer mit Menschen in einen Topf geworfen werden, die gestört sind“, beklagte Reinhard Birker (53) aus der Region Köln. Wenn jemand mit einem Auto in eine Menschenmenge rase, werde auch nicht diskutiert, ob man das Auto verbieten müsse. „Schreckliche Ereignisse wie in Winnenden werden wohl nie ganz zu verhindern sein“, betonte er, und ein 61-jähriger Besucher aus Sindelfingen pflichtete ihm bei: „Man kann einfach nicht hinter die Fassade sehen.“ Allerdings hätte der Amokläufer in seinen Augen niemals an die 200 Schuss Munition kommen dürfen.

Mit Schuldzuweisungen an den Vater hält sich Krey dagegen zurück. „Er kann einem nur furchtbar leid tun.“ Ihm sei sehr schummerig geworden, als er beim Aufbau der Messe von dem Amoklauf gehört habe. Trotzdem sei er „stinksauer“ auf die Stadt, weil sie die Messe absagen wollte. Zumal die Verantwortlichen ihm gesagt hätten, dass er in dem Fall für die Schadenersatzforderungen der Aussteller hätte aufkommen müssen, die auch aus den USA und Israel angereist waren. „Zum Glück hat das Recht gesiegt“, sagte er, und atmete einmal tief durch.

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