Report: Schossen Israelis grundlos auf Zivilisten?

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Deutsche Presse-Agentur

Eine Woche nach Beendigung der Kampfhandlungen im Gazastreifen mehren sich Vorwürfe von Überlebenden, israelische Soldaten hätten in manchen Situationen unbewaffnete Zivilisten erschossen.

Auch sei es mehrfach geschehen, dass Schwerverwundete nicht in Krankenhäuser gebracht werden konnten, weil israelische Soldaten Ambulanzen nicht passieren ließen. Unabhängige Bestätigungen für Schilderungen wie beispielsweise die des 34-jährigen Ahad Daur gibt es allerdings nicht.

Ahad ist davon überzeugt, dass seine Mutter Dschamila (60) und sein Bruder Mohammed (32) am 4. Januar grundlos erschossen wurden, als Truppen ins Al-Atatrah-Viertel in Beit Lahija im nördlichen Gazstreifen eindrangen. Die beiden waren bei der Evakuierung der Familie in ihrem Haus zurückgeblieben. Bewaffnet seien sie nicht gewesen. Bis zur ersten Feuerpause drei Tage später konnte niemand zu dem Haus vordringen, weil das israelische Militär den Zugang zu dem Ortsteil abgeschnitten hatte.

Mit Mohammed hatte Ahad Daur zuletzt am Morgen des 4. Januar am Handy telefoniert. Israelische Soldaten hätten das Haus umstellt und die Bewohner aufgefordert herauszukonmmen, erfuhr Ahad in dem Gespräch. Es sei der letzte Kontakt zu seinem Bruder gewesen, schildert der 34-Jährige jetzt. Als Ahad drei Tage später das Haus erreichte, habe Mohammed von Schüssen niedergestreckt in der Eingangstür gelegen, daneben seine verblutete Mutter.

Auch Kamal Awadscha (47), ebenfalls aus Beit Lahija, erzählt Schreckliches: Als sein Haus unter israelisches Feuer geriet, sei sein neunjähriger Sohn Ibrahim im Bauch, seine Frau und er selbst in die Beine getroffen worden. Die Frau und seine fünf unverletzten Kinder hätten sich zunächst versteckt, später dann seien sie davon gelaufen. Kamal, der den schwer verletzten Ibrahim trug, sah vor sich israelische Soldaten. Aus sieben Metern Entfernung, sagt er, hätten sie dem Kind in den Kopf geschossen. „Das halbe Gesicht war weg“, erzählt er mit apathischer Stimme.

Bereits zuvor hatten internationale Menschenrechtsgruppen Indizien für den in bewohnten Gebieten verbotenen Einsatz von Phosphormunition gefunden und generell die Verhältnismäßigkeit der israelischen Kriegsführung in Zweifel gezogen. Israel hat die Anschuldigungen bislang eher pauschal damit abgewehrt, dass die radikal-islamischen Hamas-Milizen Zivilisten als „Schutzschilde“ missbraucht hätten.

Die Führung in Jerusalem ist aber dennoch nervös, dass einzelne Kommandeure oder Soldaten auf internationalem Parkett angeklagt werden könnten. Die Regierung verbot den Medien, die Namen der an der Gaza-Operation beteiligten Offiziere zu nennen. Am Sonntag beschloss sie, eventuell Angeklagten staatliche Rechtshilfe zu garantieren.

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