Report: Opelaner zwischen Hoffen und Bangen

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Deutsche Presse-Agentur

Fünf Jahre nach dem großen Kahlschlag bei Opel geht erneut im Bochumer Werk die Angst um. General Motors (GM) hatte damals wie heute drastischen Stellenabbau angekündigt. Wieder einmal müssen die Beschäftigten jetzt um ihr Werk zittern.

Damals kam Bochum mit dem sozialverträglichen Wegfall von tausenden Arbeitsplätzen davon. „Natürlich haben wir Angst“, lautete die knappe Antwort eines Monteurs auf dem Weg zur Schicht.

Die Nachricht vom weltweiten Streichkonzert bei GM hat die Beschäftigten der deutschen Tochter Opel noch in der Nacht erreicht. „Wir haben von den Plänen zu neuen Stellenstreichungen während der Nachtschicht im Radio gehört“, sagt ein Mitarbeiter des Bochumer Opelwerkes am Mittwochmorgen vor dem Werkstor 1. Es geht um 26 000 Stellen außerhalb der USA und drohende Werksschließungen auch in Europa.

„Die meistdiskutierte Frage war die Übernahmemöglichkeit von Opel durch einen anderen Autobauer, möglichst einen deutschen“, sagte ein Monteur aus der Endfertigung. In einem Nebensatz hatte GM-Chef Rick Wagoner in der Nacht erklärt, es habe sich noch kein Kaufinteressent gemeldet. Die Möglichkeit überhaupt, dass Opel verkauft werden könnte, hatte die Beschäftigten hellhörig gemacht.

Als im Laufe des Tages auch noch GM Europe zusammen mit dem Opel-Management und dem Gesamtbetriebsrat verkündete, für Verhandlungen über Partnerschaften oder Beteiligungen bei Opel offen zu sein, gab es vielfach Zustimmung - auch wenn die Opelaner einen kompletten Ausstieg aus dem schlingernden Mutterschiff sicher bevorzugen würden.

„Eine Landesbeteiligung wäre schon sinnvoll“, sagte ein junger Opel-Mitarbeiter aus dem Presswerk. Ein Mann aus der Qualitätssicherung hält aber auch einen Autobauer wie BMW für eine Alternative. „BMW könnte seine Modellpalette ergänzen“, sagt er. Aber auch in solch einem Fall müsse mit Einschnitten gerechnet werden. Ein anderer Kollege auf dem Weg zur Mittagschicht wirft das VW-Modell ins Rennen. „Niedersachsen ist zu 20 Prozent an VW beteiligt. Das wäre eine schöne Sache“, sagt der Mann aus der Fertigmontage.

Die meisten befragten Opelaner rechnen zumindest mit Einschnitten. „Klar ist, dass in Bochum kaum noch Arbeitsplätze abgebaut werden könnten, sagt ein Monteur. „Wir hatten hier in besten Zeiten 20 000 Leute. Heute sind es noch 5000. Entweder bleibt das Werk in dieser Größe erhalten, oder es muss geschlossen werden.“ Auch sein Wunsch wäre ein Einstieg von BMW.

Schon früh morgens setzen viele Opelaner auf das Prinzip Hoffnung. „Wir hoffen, dass unsere gute Arbeit geschätzt wird“, sagt einer der Männer. Opel baue gute Autos, besonders in Bochum, wo die beliebten Modelle Astra Caravan und Zafira vom Band laufen. Sein Kollege setzt auf Verhandlungen. „Ich hoffe, dass unser starker Betriebsrat was macht“, meint er mit Blick auf den erfolgreichen Arbeitskampf vor fünf Jahren, als GM in Deutschland rund 10 000 Stellen streichen wollte. Am Ende kam ein Zukunftsvertrag heraus, der zwar 8000 Arbeitsplätze und Gehaltszulagen kostete, aber Sicherheit zumindest bis 2010 brachte - oder bringen sollte?

Viele Opelaner wollen sich anfangs nicht äußern, weil sie noch nichts gehört haben oder nicht reden wollen. Zu oft standen schon Fernsehteams, Radioleute und Schreiber vor den Werkstoren. Einige von den wenigen, die zu ein paar Worten im Morgengrauen bereit sind, zeigen sich pessimistisch. „Ich habe keine Hoffnung mehr, wirklich nicht. GM geht irgendwann pleite. Dann war's das“, sagt ein jüngerer Beschäftigter auf dem Weg zur Frühschicht. Ein Kollege ruft im Vorbeigehen zurück: „Wird schon gut gehen“. Ein anderer schüttelt dazu nur den Kopf.

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