Report: Mit kniffligen Kreuzchen zum Lottoglück

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Deutsche Presse-Agentur

Das Ticket in den Club der Millionäre ist so groß wie eine Postkarte und übersät mit winzigen Zahlen. Seit der Jackpot mit jeder Ziehung in die Höhe klettert, sind Lottoscheine noch begehrter als sonst.

„Der Ansturm ist etwa doppelt so groß, seit die 10-Millionen-Grenze überschritten ist“, sagt der Hamburger Kioskbesitzer Mehmet Tan. Es schreckt offensichtlich kaum ab, dass es rechnerisch sechsmal wahrscheinlicher ist, vom Blitz erschlagen zu werden, als den Jackpot zu knacken. Wer aufs Millionenglück wetten will, muss aber zuerst den Lottozettel richtig ausfüllen. Und das ist kniffliger, als man vielleicht glauben mag.

„Ich hätte nie gedacht, dass ein Kreuzchen zu machen so schwer ist“, sagt Tan kopfschüttelnd. Sind die Kreuze zu schwach, kann das Lesegerät sie nicht erkennen. Wenn sie zu groß sind, ragen sie in die angrenzenden Kästchen hinein und werden doppelt gezählt. Nur fünf statt sechs vermeintlich Richtige? Kreuz beim Ziehungstag oder der Laufzeit vergessen? „Es gibt einige Härtefälle, denen muss man es ein paar Mal erklären“, sagt Tan. Zum Glück weisen die Terminals der bundesweit rund 24 000 Annahmestellen alle fehlerhaft ausgefüllten Tippscheine zurück.

Je nach Bundesland können Tipper auf einem Schein bis zu zwölf verschiedene Zahlenkombinationen angeben. Milva Klöppel aus Heilbronn war neulich so begeistert von ihren Glückszahlen, dass sie ihre Lieblingskombination gleich in zwei Kästchen angekreuzte. „Ich habe auch brav doppelt dafür bezahlt. Wie peinlich!“, sagt die 31-Jährige lachend. Damit ihr das nicht wieder passieren kann, spielt sie jetzt nur noch mit dem Zufallsgenerator Quicktipp.

Dem Computer überlässt auch eine 39-jährige Hamburgerin die Wahl ihrer Glückszahlen. „Welche Zahlen, das ist doch völlig unerheblich“, winkt sie ab, als sie ihren Schein in Tans Laden abgibt. „Und vom Geburtsdatum wird einem ja immer abgeraten, weil das jeder nimmt.“ Im Februar vor einem Jahr hatte ein Mann aus Baden-Württemberg den Jackpot tatsächlich dank Quicktipp geknackt und fast 19 Millionen Euro gewonnen.

Tan kennt inzwischen die Besonderheiten seiner Stammtipper. „Wir haben einen Spezi“, erzählt er. „Der schaut immer aufs Terminal am Eingang, und wenn der Jackpot über fünf Millionen Euro steigt, dann füllt er auf einem Schein zwei Felder aus. Da will er Millionen gewinnen und gibt nur zwei Euro dafür aus. Wie geizig kann man denn sein...?“ Dafür kam neulich einer, der gleich 2500 Euro setzte.

Wer sich von einer ausgefeilten Zahlenfolge das große Glück verspricht, hat mit zehn Scheinen die besten Chancen. Denn die Superzahl von 0 bis 9 ist auf dem Tippzettel vorgegeben. Der Tipper muss dann allerdings auch zehnmal die Bearbeitungsgebühr zahlen, die in jedem Bundesland verschieden ist. In Baden-Württemberg beträgt sie 1,10 Euro, in Hamburg zum Beispiel nur 50 Cent.

„Es gibt im Lotto keine Erfolgsformel“, sagt der Sprecher des Deutschen Lottoblocks, Klaus Sattler. Gewinnen kann theoretisch jeder, der einen groben Fauxpas vermeidet: Die Quittung sollte man auf keinen Fall wegwerfen. „Die ist wie Bargeld und gewissermaßen heilig“, sagt Sattler. Wer sechs Richtige plus Superzahl tippt und dann die Quittung verliert, hat seinen Eintritt in die Welt der Superreichen im wahrsten Sinne des Wortes verspielt.

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