Report: Kaum Kontrollen von Waffenbesitzern

Lesedauer: 5 Min
Deutsche Presse-Agentur

Der Revolver im Nachtschrank, die Pistole im Handschuhfach - nach Einschätzung von Hubertus Uelpenich sind das keine Einzelfälle. „Wenn wir so etwas einmal mitbekommen, ist das nur die Spitze des Eisberges“, sagt der Waffenrechtsexperte.

Zusammen mit einem Kollegen ist er in der Kreispolizeibehörde Hochsauerland für 8000 Waffenbesitzer zuständig. „Wir haben 33 000 registrierte Waffen und zu wenig Personal, um wirklich zu prüfen, ob die alle im Waffenschrank gelagert werden“, sagt Uelpenich. Das Waffengesetz sei scharf genug: „Es müsste nur eingehalten werden.“

Einer der 8000 Waffenbesitzer ist Harald Honisch: Mehrfach dreht er das Zahlenrad an dem eineinhalb Meter hohen Tresorschrank und öffnet dann mit einem Griff die schwere Tür. „Das hier sind Revolver, die habe ich als Waffensammler“, erklärt der 61-Jährige aus Arnsberg-Neheim. Dann zeigt er auf eine Reihe weiterer Pistolen. „Das sind die Sportwaffen, mit denen ich früher geschossen habe.“ In einem Koffer am Boden des Waffenschranks ist seine aktuell genutzte Sportpistole verstaut. „Hier kommt keiner ran“, sagt er und schließt noch ein Extrafach auf, in dem mehrere tausend Schuss Munition lagern.

Der Amoklauf des 17-Jährigen von Winnenden mit einer aus dem Schlafzimmer der Eltern mitgenommenen Pistole beschäftigt auch den 61-Jährigen. „Eine Neunmillimeter hat nichts im Nachtschrank zu suchen“, sagt er und drückt die Tresortür nachdenklich wieder zu. In der Waffenkammer unter dem Spitzgiebel seines Zweifamilienhauses hat Honisch noch weitere Waffen liegen. „Die brauchen nicht in den Waffenschrank, die sind ab 18 Jahren frei zu kaufen“, erklärt der Waffensammler und Sportschütze.

Etwas chaotisch wirkt die rund zwölf Quadratmeter große Waffenkammer, zu der es nur einen Schlüssel gibt. Trotzdem hat alles seinen Platz. Auf einer Werkbank liegen Dutzende Munitionsschachteln. „Das sind nur leere Hülsen“, sagt Honisch und erklärt die Geräte, mit denen er die bereits genutzten Patronen wieder füllt. „Das teuerste sind die Hülsen.“ Und die kann er etwa ein Dutzend Mal mit neuen Zündplättchen, Pulver und Geschossen bestücken.

Dass Gewehre und Pistolen auch bei den anderen Waffenbesitzern im Hochsauerlandkreis wie bei Honisch sicher hinter Schloss und Riegel liegen, kann Kontrolleur Uelpenich nur hoffen. „Wir können ja nicht 8000 Leuten 24 Stunden am Tag auf die Finger schauen.“ Kontrolliert wird anhand von Unterlagen wie beispielsweise Kaufquittungen, mit denen auf Anfrage nachgewiesen werden muss, ob jemand einen Waffenschrank hat. Nur wenn es Hinweise gebe, dass etwas nicht korrekt ist, werde das dann auch vor Ort in Augenschein genommen.

Dass, wie im Fall Winnenden Pistolen im Nachtschrank liegen, ist auch für Uelpenich ein offenes Geheimnis. „Wenn wir das mitbekommen, ist das ein Straftatbestand“, sagt er. Über die Zahl illegaler Waffen mag er nur spekulieren. „Es gibt Schätzungen, dass auf jede registrierte Waffe eine illegale kommt.“ Und dass deren Besitzer die Pistolen, Revolver und Gewehre sicher aufbewahren, glaubt Uelpenich nicht.

Kontrollen gibt es wegen der Personalnot selten. Nur wenn sich Nachbarn oder Angehörige melden, weil ein Waffenbesitzer beispielsweise wegen Krankheit oder psychischer Probleme nicht mehr zuverlässig erscheint, ist schnelles Handeln gefragt.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen