Report: Guttenbergs erste große Rede

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Deutsche Presse-Agentur

Karl-Theodor von und zu Guttenberg hält es nicht mehr auf seinem hellblauen Sitz. Bundestagspräsident Norbert Lammert hat ihn als Redner noch gar nicht aufgerufen, da steht der CSU-Senkrechtstarter schon auf.

Hinter dem Platz der Kanzlerin, ganz links außen in der ersten Reihe der Regierungsbank im Reichstag, stoppt der Minister-Novize und lauert auf seinen Einsatz.

Um 9.38 Uhr an diesem Freitag, dem 13., erteilt Lammert dem 37-jährigen Glos-Nachfolger in der Debatte über das Konjunkturpaket das Wort. Muchsmäuschenstill ist es im hohen Haus. Nur die Digitalkameras der Fotografen surren. Viel Kontrast bekommen sie nicht. Im grauen Business-Anzug mit heller Krawatte steht Guttenberg vor der grauen Wand des Podiums, auf dem Lammert sitzt.

Der bisher jüngste Bundeswirtschaftsminister bedankt sich bei FDP-Spitzenmann Guido Westerwelle für die Glückwünsche. Dann liefert der von CSU-Chef Horst Seehofer ins Amt gehievte Hoffnungsträger das ab, was die Abgeordneten der Union sehnlichst von ihm erwarten.

Der schlanke, eloquente Adelige tritt als glühender Verfechter der sozialen Marktwirtschaft auf. Damit sei das Land nach dem Krieg aus Schutt und Asche zu neuem Wohlstand aufgestiegen, sagt Guttenberg. Doch 2009 ist nicht 1945.

Obwohl der Staat Hunderte Milliarden in die Finanzwelt gepumpt hat, sind Märkte, Banken und Unternehmen weiterhin tief verunsichert. Auch vielen Politikern ist mulmig bei dem Gedanken, dass der Staat bald Banken komplett verstaatlichen oder enteignen könnte.

Regierungsvertreter sagen seit Wochen, bei der Hypo Real Estate (HRE) sei eine Enteignung die „Ultima Ratio“. Guttenberg setzt noch einen drauf. Er spricht von der „Ultissima Ratio“. In diesem Moment strahlt die Kanzlerin. Zufrieden schaut die CDU-Chefin auch, als Guttenberg zum Schluss seiner Rede den Menschen Mut machen will.

Deutschland sollte „hoch erhobenen Hauptes, mit gesundem Selbstbewusstsein, aber ohne Hochmut“ durch die Krise gehen. Es hört sich so an, als sei das auch sein Leitfaden für den auf knapp sieben Monate begrenzten Ministerjob.

Nach seiner souveränen, 13-minütigen Rede setzt sich Guttenberg wieder auf die Regierungsbank. Die Kanzlerin kommt vorbei, gratuliert ihm. Angela Merkel sieht den CSU-Aufsteiger mit großem Wohlwollen, ist aus ihrem Umfeld zu hören.

Unaufgefordert schickte der Außenpolitiker Guttenberg nach seinen vielen Reisen Berichte ins Kanzleramt. Er hat ein dichtes Netz an internationalen Kontakten geknüpft. So soll er zum Beispiel einen guten Draht zum neuen US-Finanzminister Timothy Geithner haben.

Der deutsche Finanzchef Peer Steinbrück, der vor Guttenberg redet, geht auf seinen neuen Widersacher im Kabinett gar nicht ein. Steinbrück, bei Freund und Feind als scharfzüngiger Redner gefürchtet, knöpft sich lieber noch einmal Glos vor.

Der gekränkte Ex-Minister hatte nach seinem Rückzug vor der CSU-Landesgruppe gepoltert, Steinbrück müsse sich jeden Satz aufschreiben lassen. Das kann der SPD-Vize nicht auf sich sitzen lassen: „Ich habe leider kein ausformuliertes Manuskript. Aber ich werde mich trotzdem bemühen, entgegen den Erwartungen des Kollegen Michael Glos Subjekt, Prädikat und Objekt in freier Rede aneinanderzuführen.“

Die Ehrenrettung für den amtsmüden Glos (64), der nicht da ist, übernimmt der 27 Jahre jüngere Parteifreund Guttenberg. „Mir ist unbegreiflich, mit welchem Stil und mit welcher Kollegialität manche mit einem umgehen, der sich um dieses Land verdient gemacht hat.“

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