Renault Kangoo Be Bop: Lustiger Laster

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Die Suche nach immer neuen Nischen treibt bisweilen seltsame Blüten: Mercedes kreuzt Kombi und Geländewagen zur R-Klasse, bei Porsche wird ein Sportwagen zum Viertürer Panamera und bei BMW entsteht aus Limousine, Coupé und Touring der eigenwillige 5er GT.

Lifestyle-Laster mit Cabrio-Gefühl

Doch der Drang zu alternativen Karosserieformen ist keine Eigenheit der Nobelhersteller. Auch an der Basis gibt es neue Konzepte - jüngstes Beispiel ist der Kangoo Be Bop, mit dem Renault den Lademeister für Preise ab 16 950 Euro zum Lifestyle-Laster mit Cabrio-Qualitäten aufrüstet. Möglich macht das sein pfiffiges Karosseriekonzept. Wo beim Lieferwagen eine Klappe im Dach Raum für lange Ladung schafft, gibt es beim Be Bop eine große Glasplatte. Und die lässt sich mit zwei Handgriffen aufstellen und nach vorne schieben. Zudem lässt sich auf Knopfdruck die Heckscheibe versenken, so dass die Hintermänner tatsächlich im Freien sitzen wie in einem Cabrio. Und wer vorne mehr Frischluft möchte, kann immerhin zwei Dachfenster aufstellen.

Aquarium auf vier Rädern

Aber nicht nur bei schönem Wetter spürt man den Unterschied. Fast vier Quadratmeter Glas machen den Viersitzer so transparent, dass man sich fühlt wie ein Fisch im Aquarium. Und mit seiner zweifarbigen Lackierung sowie dem bunten Innenleben sprüht der Be Bop auch an grauen Tagen vor Lebensfreude - selbst wenn die peppige Materialauswahl die gewerbliche Abstammung nicht verhehlen kann.

Raumwunder für Schlangenmenschen

Technisch basiert der Be Bop auf dem kurzen Kangoo, den es bislang nur als Kastenwagen gab: Um knapp 40 Zentimeter in Radstand und Außenlänge beschnitten, misst der Lifestyle-Laster jetzt nur noch 3,87 Meter und wurde zudem seiner Schiebetüren beraubt. Hinterbänkler müssen sich deshalb mühsam durch die vorderen Türen schlängeln. Oder sie entern den Be Bop kurzerhand durchs Heck. Denn statt einer durchgehenden Bank gibt es im Fond nur zwei weit auseinander gerückte, verschiebbare Einzelsitze, zwischen denen man mit etwas gymnastischem Geschick hindurchschlüpfen kann. Der Weg dorthin mag schwierig sein. Doch wer erst einmal sitzt, genießt hinten mindestens soviel Platz wie im biederen Scénic. Die Kniefreiheit hat Oberklasse-Niveau und über die spitzen Ellbogen des Nachbarn muss auch keiner klagen. Nur etwas mehr Seitenhalt könnten die Sitze vertragen.

Weniger Kofferraum als ein Sportwagen

Erkauft wird der gute Sitzkomfort durch einen gefährlich kleinen Kofferraum. Gilt der normale Kangoo zu Recht als Transportmeister, schmilzt das Ladevolumen beim Be Bop durch die weit nach hinten gerückten Sitze und vor allem die Heckklappe von der Dicke einer Tresortür auf magere 214 Liter. Für zwei kleine Koffer wird es da schon eng. Immerhin kann man den Laderaum schrittweise erweitern. Wer die Sessel nach vorn rückt, umklappt oder ausbaut, kommt am Ende auf 1462 Liter und kann doch noch shoppen oder auf Reisen gehen.

Träge wie ein Elefant beim Sonnenbad

Unter der farblich abgesetzten Motorhaube setzen die Franzosen auf die jeweils stärksten Vierzylinder aus der Baureihe. Im Basismodell steckt ein 1,6 Liter großer Benziner mit 78 kW/106 PS und im 18 300 Euro teuren Flaggschiff der 1,5 Liter-Diesel mit 76 kW/103 PS. Zwar erreicht der Motor respektable 240 Newtonmeter Drehmoment, doch bringt der Be Bop stolze 1,5 Tonnen auf die Waage und ist in etwa so windschnittig wie ein Elefant mit Segelohren. Es braucht deshalb schon ein wenig Geduld und einen schweren Gasfuß, um das Auto in Fahrt zu bringen. Tempo 100 erreicht der Wagen erst nach mehr als zwölf Sekunden, und bei 168 km/h ist schon wieder Schluss.

Der Be Bop mag die Stadt

Aber wirklich schnell fahren möchte man mit dem Be Bop ohnehin nicht. Denn jenseits von 120 km/h melden sich laute Motor- und Windgeräusche, in engen Kurven wirkt der Lebenskünstler bei flotter Fahrt wie ein Tretboot in Seenot. Zudem klettert der Verbrauch in die Höhe. Sind beide Motoren mit Normwerten von 7,9 Litern beim Benziner und 5,7 Litern beim Diesel schon nicht die sparsamsten, muss man einen Expresszuschlag von ein, zwei Litern einplanen. In der Stadt dagegen ist der kurze Kangoo König: Beim Ampelstart ist er vorn dabei, mit einem Wendekreis von 9,60 Metern ist er handlicher als der Twingo, und mit seinem kompakten Format passt er in jede Parklücke.

Ungeachtet der Mängel im Detail ist der Be Bop eine pfiffige Alternative zur spießigen Familienkutsche: Er ist bunt und lebenslustig, macht gute Laune und hat viel Platz für Kind oder Kegel. Und dass er weder Rennwagen noch Kurvenkünstler ist, kann man ihm kaum übelnehmen. Allerdings hat der Spaß seinen Preis. Zwar ist die Ausstattung mit ESP, vier Airbags und Klimaanlage besser als bei vielen familienfreundlichen Nutzfahrzeugen - doch zahlt man deshalb auch mehr als für manch ordinäre Großraumlimousine.

DATENBLATT: Renault Kangoo Be Bop 1.5 dCi Motor und Antrieb: Vierzylinder-Common-Rail-Diesel Hubraum: 1461 ccm Max. Leistung: 76 kW/103 PS bei 4000 U/min Max. Drehmoment: 240 Nm bei 2000 U/min Antrieb: Frontantrieb Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe

Maße und Gewichte: Länge: 3871 mm Breite: 1829 mm Höhe: 1825 mm Radstand: 2313 mm Leergewicht: 1486 kg Zuladung: 402 kg Kofferraumvolumen: 214 - 1462 Liter

Fahrdaten: Höchstgeschwindigkeit: 168 km/h Beschleunigung 0-100 km/h: 12,6 s Durchschnittsverbrauch: 5,7 Liter/100 km Reichweite: 1050 km CO2-Emission: 151 g/km Kraftstoff: Diesel Schadstoffklasse: EU4

Kosten: Basispreis der Modellreihe: 16 950 Euro Grundpreis des 1,5 dCi: 18 300 Euro Typklassen: KH 18/VK 19/TK 19 Kfz-Steuer pro Jahr: 231 Euro/Jahr alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

Wichtige Serienausstattung: Sicherheit: ESP, Front- und Seiten-Airbags Komfort: Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung

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