Reichlich Würze in aller Kürze - Der Mini wird 50

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Deutsche Presse-Agentur

Vermutlich erinnern sich nur noch wenige an „Die Gitarre und das Meer“ von Freddy Quinn. Kein Wunder, schließlich ist es ja auch schon ewig her: Vor mittlerweile 50 Jahren führte dieses Lied die deutschen Hitparaden gleich 18 Wochen an.

Kaum zu glauben, dass mit dem Mini auch ein Auto seinen 50. feiert, an das sich jedoch wohl nahezu jeder erinnert - und das in seiner Ursprungsform ebenso wie als modische Nachfolge-Generation heute fast noch begehrter ist als in der Zeit seiner Entstehung.

Gestiegene Spritpreise und die Befürchtung, dass nur sparsame Autos eine Zukunft haben, machten den britischen Autobauern in den 50er Jahren zu schaffen. Bei der British Motor Corporation (BMC) in Longbridge wurde daher der Auftrag erteilt, kostengünstig einen neuen Kleinwagen auf die Räder zu stellen. Beauftragt wurde damit Alexander Arnold Constantine „Alec“ Issigoinis.

Das Ergebnis war 1959 wegweisend. Das Auto wies Konstruktionsmerkmale auf, die damals keineswegs üblich waren. Sie sollten aber bis heute das Konstruktionsprinzip des Großteils aller Fahrzeuge prägen. Es begann damit, dass man sich für Frontantrieb entschied. Die Konstrukteure hatten den Motor so gedreht, dass er quer vor der Fahrerkabine montiert werden konnte. Selbst das Getriebe samt Differenzial friemelten sie platzsparend unter das Aggregat.

Dazu bekam der Mini kein Stufenheck mit großem Kofferraum. Vielmehr ermöglichte das steile Heck, das Dach weit nach hinten zu ziehen und noch eine Rückbank unterzubringen. Außerdem nahm man vier kleine Räder, die an jeder Ecke der Karosserie untergebracht wurden, um wenig Raum zu beanspruchen. Trotz seiner Kürze von gerade 3,50 Metern bot der neue Kleinwagen einen Innenraum, der dem einer 1,50 Meter längeren Standardlimousine jener Tage entsprach.

Der Öffentlichkeit wurde das Ergebnis im August 1959 präsentiert - und zwar gleich doppelt. Angeboten wurde das Auto in zwei Varianten als Morris Mini-Minor und als Austin Seven, die sich nur in Details voneinander unterschieden. Rein fachlich gesehen hatte Alec Issigoinis alles richtig gemacht: Der Mini übertraf alle Erwartungen und fuhr mit seinen 37 PS richtig gut. Aber für die Kunden war das Auto zunächst doch etwas zu seltsam - zu einem Verkaufserfolg wurde Mini anfangs jedenfalls nicht.

Was aber nicht bedeutete, dass ihn niemand schätzte: Da gab es zum Beispiel einen gewissen John Cooper, der dem Kleinen eine sportliche Karriere zutraute. Cooper überredete den damaligen BMC-Chef zu einer Kleinserie eines sportlichen Ablegers - 1000 Exemplare sollten gebaut werden, Cooper sollte für jedes Auto zwei britische Pfund erhalten. Niemand konnte schließlich damit rechnen, dass der 1961 erschienene Mini Cooper einmal das Image des Autos prägen sollte. Immer noch gibt es Liebhaber, die glauben, der Mini hieß schon immer Mini Cooper.

Nach und nach wandelte sich auch das Image des Mini vom seltsamen Gefährt zu einer Art Stilikone. Denn in den 60er Jahren gewann das winzige Auto nicht nur völlig überraschend echte Rallyes. Auch zahlreiche Prominente bekamen Geschmack an dem Kleinwagen, was auch bei den normalsterblichen Autofahrern Spuren hinterließ.

Der Mini wurde immer mal wieder überarbeitet, wurde als rollender Komparse in unzähligen Filmen eingesetzt - und mutierte vom etwas merkwürdigen Kleinwagen zu einem in aller Welt geliebten Auto, dessen knuffiger Charme über die Jahre noch intensiver wurde. Mehr als 40 Jahre sollte er von den Bändern laufen, und erst im Jahr 2000 war nach 5 387 862 Exemplare Schluss - für eine Weile jedenfalls.

Dass Alec Issigoinis der Großonkel des ehemaligen BMW-Chefs Pischetsrieder ist, gilt als Tatsache - ob dies aber Einfluss darauf hatte, dass ausgerechnet BMW die Marke Mini wieder aufleben ließ, darüber kann nur spekuliert werden. Jedenfalls schaffte man das scheinbar Unmögliche, indem man ein neues Auto mit dem Charme des alten Mini in die Schauräume stellte. Heute wird der alte Mini ebenso geliebt wie der neue, einen von beiden zu fahren, gilt als schick. So schick, dass man es fast schon „cool“ finden könnte, in so einem Auto einen alten Schlager wie „Die Gitarre und das Meer“ zu hören.

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