Regierungspräsidium ordnet Schulschließung notfalls an

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An der Werkrealschule Eichenwaldschule haben sich nur zwölf Jugendliche für die fünfte Klasse angemeldet.
An der Werkrealschule Eichenwaldschule haben sich nur zwölf Jugendliche für die fünfte Klasse angemeldet. (Foto: Steffen Lang)
Redakteur Bad Wurzach

Sollte die Gemeinde Aichstetten keinen Antrag auf die sogenannte Aufhebung der Werkrealschule Eichenwaldschule stellen, wird das Regierungspräsidium (RP) diese anordnen. Das geht aus einer Antwort des RP Tübingen auf eine Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“ hervor.

„Vor dieser Maßnahme wird der Schulträger angehört“, schreibt Jochen Waidelich von der Koordinierungs- und Pressestelle der Behörde. „Wenn dabei keine sonstigen Gründe, die ein Absehen von der Aufhebung rechtfertigen, vorgebracht werden, wird das Regierungspräsidium Tübingen die Aufhebung verfügen.“ Das bedeutet, dass die Eichenwaldschule in dem Moment geschlossen wird, wenn der derzeit jüngste Jahrgang, die sechste Klasse, seinen Neunte-Klasse-Abschluss gemacht hat.

Gegen diesen Bescheid kann die Gemeinde als Schulträger innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Klage beim Verwaltungsgericht Sigmaringen erheben. Bei der Frage, was passiert, wenn sich die Eltern wie bisher weigern, ihre Anmeldung in Aichstetten zurückzuziehen, beantwortet Waidelich mit dem Hinweis auf die Schulpflicht. Falle das Angebot in Aichstetten weg, „muss ein anderes schulisches Angebot dort wahrgenommen werden, wo es angeboten wird“.

Die betroffenen Eltern, die gegen eine Schulschließung mobil machen (SZ berichtete), werben derweil auch mit einer Anzeige in der „Schwäbischen Zeitung“ darum, dass noch vier Kinder angemeldet werden. Dann wäre die Mindestsollstärke von 16 Fünftklässlern erreicht, und die Schließung vom Tisch. Das bestätigt auch Waidelich: „Kämen weitere Anmeldungen dazu und die Mindestschülerzahl in der Eingangsklasse würde erreicht werden, wäre das Hinweisverfahren und damit die Aufhebung der Werkrealschule nicht erforderlich.“

In seiner Stellungnahme verweist der RP-Sprecher darauf, dass die WRS Aichstetten seit Jahren ums Überleben kämpft. Bereits in den Schuljahren 2014/15 und 2015/16 sei die notwendige Mindestschülerzahl von 16 nicht erreicht worden. „Nach entsprechenden Hinweisschreiben der Schulverwaltung hätte die Schule zum Schuljahr 2017/18 geschlossen werden müssen.“ Rettung für Aichstetten sei damals die Zusammenlegung mit Aitrach gewesen.

Doch schon für das Schuljahr 2017/18 wurde die Mindestanzahl für eine Eingangsklasse mit fünf Anmeldungen erneut unterschritten. Und aktuell hätten sich eben erneut nur zwölf Schülerinnen und Schüler angemeldet. Damit könne keine fünfte Klasse fürs Schuljahr 2018/2019 gebildet werden. Die für Aichstetten angemeldeten Jugendlichen „haben die Möglichkeit an die etwa 13 Kilometer entfernt liegende WRS Leutkirch-Wuchzenhofen zu wechseln“, so Waidelich. Er nennt außerdem die Gesamtschule am Adenauerplatz in Leutkirch und die WRS Bad Wurzach als Alternativen.

Die Erreichbarkeit sei bei allen drei Möglichkeiten „vergleichbar auch mit der Erreichbarkeit des Gymnasiums und der Realschule von Aichstetten aus“. Damit widerspricht er der Meinung der Eltern, dass diese Alternativen nicht zumutbar seien.

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