Reden ohne Konsequenzen: Beratung im Internet

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Schwäbische Zeitung

München (dpa/tmn) - Streit mit den Freunden, Probleme in der Schule oder mit sich selbst - manchmal braucht man jemanden zum Reden und Ausheulen, für Tipps und Rat. Eigentlich sind Freunde dafür ideal, doch nicht jedes Thema möchte man mit ihnen besprechen.

Im Internet gibt es für solche Fälle verschiedene Anlaufstellen, bei denen man ein offenes Ohr für seine Probleme findet, ohne dass jemand anderes davon erfährt. Die „kids-hotline.de“ ist ein Beratungsportal des Münchener Vereins Kinderschutz. Hier gibt es Foren, Einzelberatungen und moderierte Chats, bei denen man anonym Hilfe bekommt. Ein festgelegtes Thema gibt es nicht: Liebe, Sexualität, Familie, Mobbing, Sucht und der Sinn des Lebens sind nur einige Beispiele aus den Foren. „Hier können Jugendliche sich gegenseitig helfen“, sagt Triz Heider vom Verein Kinderschutz. Der Austausch mit Gleichaltrigen sei wichtig.

Bevor man die Angebote nutzen kann, muss man sich auf dem Portal registrieren und bekommt einen eigenen Account für die Seite. Viele Portale, die Beratung per E-Mail anbieten, arbeiten nach diesem Prinzip: „Mit einer normalen Mailadresse ist die Kommunikation nicht verschlüsselt“, erklärt Heider. Die Registrierung diene der Datensicherheit der Ratsuchenden. So erfahre niemand, was besprochen wird und wer sich wo Hilfe geholt hat.

Ein Team von professionellen Beratern kümmert sich um die Fragen in der Einzelberatung. Zusätzlich gibt es ausgebildete Jugendberater. Die könnten beispielsweise bei Themen rund um die Pubertät besser mitreden, sagt Heider. Dass man sich in dem Alter über bestimmte Probleme mehr Gedanken macht, könnten die Jugendlichen aus eigener Erfahrung viel besser nachvollziehen.

Das Portal „youth-life-line.de“ des Vereins Arbeitskreis Leben in Tübingen arbeitet ebenfalls mit Jugendberatern. Sie sind zwischen 16 und 20 Jahre alt und wurden von Pädagogen und Psychologen ausgebildet. Die Jugendberater beantworten die eingehenden Mails. „Unser Angebot soll so niedrigschwellig sein, wie es irgendwie geht“, sagt Nina Schweigert von „youth-life-line.de“.

Viele Jugendliche würden sich selten persönlich Hilfe holen. „Das Internet soll hier eine Hilfe sein und die Hemmschwelle nehmen“, sagt Nina Schweigert. Sehr häufig bekommen die Jugendberater Mails, in denen es um Liebe, Sexualität und körperliche Veränderungen geht. Manche sorgten sich auch, weil sie noch keine Beziehung hatten.

Informationen und Beratung zu diesen Themen bietet auch der Verband Pro Familia in Frankfurt/Main. Das Portal „sextra.de“ richtet sich an Ältere, die Seite „sexundso.de“ an Jüngere. Das Portal „von-mir-aus.de“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Psychologischen Beratungsstellen in Heidelberg und des Rhein-Neckar-Kreises. Die Mitarbeiter beantworten hier die unterschiedlichsten Fragen. Wer unsicher ist, wie er die am besten formuliert, findet entsprechende Hilfestellungen.

Eine Onlineberatung bietet auch die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung in Fürth (bke) an. Auf dem Portal „bke-beratung.de“ gibt es neben verschiedenen Foren auch Themen- und Gruppenchats, die von Fachkräften betreut werden. Wer möchte, kann seine Fragen aber auch in einer Einzelberatung beantworten lassen.

„Kids-Hotline“ des Vereins Kinderschutz: kids-hotline.de

Portal „Youth-Life-Line“ des Vereins Arbeitskreis Leben: youth-life-line.de

„Pro Familia Sextra“: sextra.de

E-Mail-Beratungsangebot „Sex und so“ des Verbands Pro Familia: sexundso.de

E-Mail-Beratung „von mir aus“: von-mir-aus.de

Beratungsangebot der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke): bke-beratung.de

Hilfsangebote im Internet sind in der Regel kostenlos und anonym. „Man sollte sich bei der Registrierung einen anderen Name zulegen“, empfiehlt Triz Heider vom Beratungsportal „kids-hotline.de“ in München. So sei die Anonymität am besten gewährleistet. Wer über einen längeren Zeitraum einen festen Ansprechpartner zum Reden braucht, dem empfiehlt Nina Schweigert vom Beratungsportal „youth-life-line.de“, den Schritt zu einer Beratungsstelle am Ort. Übersichten stehen in der Regel im Telefonbuch. Dort hat man einen persönlichen Ansprechpartner. „Eine zeitliche Begrenzung bei der Onlineberatung gibt es aber nicht“, sagt Schweigert. Der Ratsuchende bestimme, wann keine Mails mehr geschrieben werden.

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