Rechter Terror in Deutschland

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NSU-Mord in Dortmund
2006 wurde Mehmet Kubaşik in seinem Dortmunder Kiosk getötet. Er war das achte von zehn mutmaßlichen NSU-Todesopfern. (Foto: Nils Foltynowicz / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

„NSU“ oder „Gruppe Freital“: Rechtsextreme Vereinigungen haben Deutschland immer wieder terrorisiert oder standen im Fokus der Ermittler. Eine Auswahl:

„NSU“: 2011 fliegt der „Nationalsozialistische Untergrund“ auf. Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatten fast 14 Jahre lang im Untergrund gelebt - zuletzt im sächsischen Zwickau. Die beiden Männer ermordeten zehn Menschen, begingen zwei Sprengstoffanschläge mit vielen Verletzten und mehrere Raubüberfälle. Am Ende nahmen sie sich das Leben. Nach mehr als fünf Jahren Prozess wird Zschäpe im Juli 2018 wegen der Mordserie und der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu lebenslanger Haft verurteilt. Weitere NSU-Unterstützer erhalten vom Oberlandesgericht (OLG) München Haftstrafen. Mehrere Angeklagte kündigen an, Revision einzulegen.

„Gruppe Freital“: Die acht Mitglieder der Vereinigung werden im März 2018 vom OLG Dresden unter anderem wegen Bildung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und versuchten Mordes zu Haftstrafen zwischen vier und zehn Jahren verurteilt. Sechs legen Revision ein. Die Gruppe hatte 2015 fünf Sprengstoffanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte und politische Gegner in Freital und Dresden verübt. Dabei wurden zwei Menschen leicht verletzt.

„Oldschool Society“ (OSS): Die rechtsextreme Terrorgruppe plant Anschläge auf Asylbewerberunterkünfte, um Flüchtlinge aus Deutschland zu vertreiben. Im März 2017 verurteilt das OLG München vier Mitglieder zu Haftstrafen zwischen drei und fünf Jahren. Zwei Angeklagte und die Bundesanwaltschaft legen Revision ein. Später werden weitere Mitglieder vor dem OLG Dresden angeklagt.

„Kameradschaft Süd“: Wegen der Planung eines Bombenattentats auf die Einweihungsfeier des Jüdischen Zentrums in München verurteilt das Bayerische Oberste Landesgericht im Mai 2005 den Neonazi Martin Wiese zu sieben Jahren Haft. Wiese und drei mit ihm verurteilte Täter waren Mitglieder der rechtsextremen Vereinigung.

„Bayerische Schießsportgruppe München“: Im April 2017 werden bei Mitgliedern unter anderem illegale Waffen beschlagnahmt. Bei der Gruppe könnte es sich um den „bewaffneten Arm“ der fremdenfeindlichen Pegida-Gruppierung handeln, sagt seinerzeit Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Nach Angaben der Bundesregierung vom März 2018 führt der Generalbundesanwalt aber keine Ermittlungen wegen des Verdachts der Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung.

„Weisse Wölfe Terrorcrew“ (WWT): Nachdem bei Mitgliedern Waffen und explosives Material gefunden wurde, verbietet der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) die Gruppe im März 2016. Sie bekenne sich „offen zu den Werten des Nationalsozialismus“ und wolle „eine Diktatur nach diesem Vorbild errichten“. Den Mitgliedern wird keine Bildung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen.

Bundesregierung über rechtsterroristische Vereinigungen (03/2018)

Bundesregierung über rechtsterroristische Vereinigungen (03/2015)

Mitteilung der OSS-Anklage vor OLG Dresden

Generalbundesanwalt über OSS-Anklage vor OLG Dresden

PM OLG München zum NSU-Urteil I

PM OLG München zum NSU-Urteil II

PM OLG München zum NSU-Urteil III

PM OLG München zum OSS-Urteil

PM BMI zu WWT-Verbot

Fachbuch zu Rechtsterrorismus in Deutschland I

Fachbuch zu Rechtsterrorismus in Deutschland II

Terrorismusdatenbank im Extremismusforschungsinstitut GIRDS

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