Recht und Kulanz: Was beim Geschenke-Umtausch gilt

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Deutsche Presse-Agentur

Manchmal war das Weihnachtsgeschenk nicht das richtige: Der eine findet beim Auswickeln des bunten Papiers hässliche Socken oder einen kratzigen Schal, beim anderen haben zwei Wohlmeinende dasselbe erstanden.

Direkt nach den Feiertagen machen sich daher viele noch einmal auf den Weg in die Geschäfte, um unliebsame Präsente wieder umzutauschen. Das Recht ist dabei grundsätzlich nicht unbedingt auf Seiten des Käufers - der Umtausch hat sich aber eingebürgert: „Ein gesetzliches Umtauschrecht gibt es nicht. Der Kaufvertrag ist bindend“, erläutert Hannelore Brecht-Kaul von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. Der Käufer sei bei einem Umtausch immer auf die Kulanz der Händler angewiesen.

„Der Umtausch hat sich eigentlich seit Jahrzehnten als Kulanz eingefahren. Dass ein Unternehmen gar nicht umtauscht, ist kaum vorstellbar“, sagt aber Armin Busacker vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) in Berlin. „Das kann man sich im knallharten Wettbewerb gar nicht erlauben.“ Gerade größere Häuser nähmen Ware oft diskussionslos gegen Geldauszahlung zurück. „In kleinen und mittelständischen Geschäften bekommt man oft auch einen Gutschein.“ Verbraucher sollten darauf achten, dass dieser drei Jahre gültig ist, denn das schreibt der Gesetzgeber vor. „Wenn man ganz sicher gehen will, kann man auch nach Umtauschregelungen fragen“, rät Busacker.

Das empfiehlt auch Brecht-Kaul: „Am besten sollte sich der Kunde schon vor dem Kauf vergewissern, ob ein Umtausch möglich ist und zu welchen Konditionen.“ Auf jeden Fall sollte der Kunde den Kassenbon aufheben und zum Umtausch mitbringen: „Wenn man keine Quittung hat, hat man Probleme nachzuweisen, dass man die Ware bei diesem bestimmten Händler gekauft hat.“

Aufpassen sollten Kunden daher auf von Geschäft zu Geschäft unterschiedliche Konditionen, rät Brecht-Kaul. Da der Händler nicht zu einem Tausch verpflichtet ist, bestimme er die Konditionen. Er legt also zum Beispiel fest, ob der Umtausch nur mit dem Kassenzettel geht oder darüber hinaus noch alle Etiketten an der Ware sein müssen. Der Verkäufer entscheide auch, ob der Kunde im Fall eines Umtauschs sein Geld zurückbekommt oder einen Gutschein erhält.

Sicher geht also nur, wer unschöne Vorarbeit leistet: Brecht-Kaul schlägt vor, den Umtausch im Einzelfall individuell auszuhandeln - dann ist die Abmachung von Kunde und Händler wasserdicht: „Man sollte sich das schriftlich geben und eventuell auf dem Kassenbon vermerken lassen. Dann kann man sich auch darauf berufen.“

Auch mündliche Vereinbarungen sind möglich, sagt Rechtsanwalt Friedrich Graf von Westphalen aus Köln. Er sieht allerdings Probleme für Verbraucher, sich allein auf solche mündlichen Absprachen berufen: „Beweisen muss diese Vereinbarungen der Kunde.“ Das heißt im Klartext: Wenn der Kunde es nicht beweisen kann, dass eine solche mündliche Abrede bestand, gilt die Abrede als nicht bewiesen. Daher werden am besten auch der Zeitpunkt notiert und der Gesprächspartner. „Wichtig wäre es auch, dass Zeugen dies erinnern.“

In Sachen Umtauschfrist rät Busacker zu einem Blick auf den Bon. „Oft steht dort schon drauf, dass man die Ware etwa innerhalb von 14 Tagen umtauschen kann.“ Grundsätzlich gelte außerdem: „Man darf die Ware nicht erst 14 Tage tragen und dann entscheiden, sie wieder umzutauschen.“ Die Ware müsse noch einwandfrei sein. Einen Grund für den Umtausch müsse der Verbraucher aber nicht nennen.

Selbst bei kulanten Händlern sind einige Waren aber von vornherein vom Umtausch ausgeschlossen, sagt Verbraucherschützerin Brecht-Kaul: Das betreffe vor allem Lebensmitteln, Unterwäsche und Bademoden. „Darauf wird der Kunde aber meist vom Geschäft aufmerksam gemacht.“ Ganz anders sieht die Umtauschregelung nach Angaben von Brecht-Kaul bei Versandhändlern und Internet-Shops aus. Dort gelte das gesetzliche Widerrufsrecht von zwei Wochen nach Erhalt der Ware. In dieser Zeit könne der Kunde problemlos Ware zurückschicken.

Der Begriff „Umtausch“ betrifft nur einwandfreie Ware. Anders ist der Fall dagegen gelagert, wenn die Digitalkamera nicht funktioniert oder der Schal ein Loch hat. Dann ist der Käufer nicht auf die Kulanz des Händlers angewiesen, sondern hat einen gesetzlichen Anspruch. Allerdings bekommt er nicht sofort sein Geld zurück: Zunächst kann der Händler anbieten, die defekte Ware zu reparieren oder Ersatz zu liefern. Schlägt dieser Versuch fehl, gibt es das Geld zurück oder der Käufer kann den Preis mindern. Nicht erfasst sind davon Verschleißerscheinungen - nur Mängel, die nachweislich bereits beim Kauf versteckt vorhanden waren.

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