Rapp und Metzger gehen optimistisch in den Endspurt

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Schwäbische Zeitung

Im Wettbewerb um den Posten des Ravensburger Oberbürgermeisters geht es auf die Zielgerade. Der Wahlkampftermin am Samstag auf dem Wochenmarkt ist trotzdem ein angenehmer Wahlkampftermin gewesen. Bei frühlingshaftem Wetter strahlten die Menschen, und die Unterstützer der beiden Kandidaten Rapp und Metzger verströmten offenen Optimismus.

Von unserer Mitarbeiterin Barbara Sohler 

Der Mann, der vorbeiflanierenden Stadtbummlern ein Wahljournal an die Hand geben will, der nachfragt, „Haben Sie schon?“, der gerne auch einen Apfel kredenzt, das ist Albert Frey. Auf einen ersten, schnellen Blick könnte man denken, da biete Einer den „Wachturm“ feil. Dabei ist Frey ehemaliger freiberuflicher Rechtsanwalt, heute Bewohner des Seniorenzentrums Weststadt und „ganz und gar“ Unterstützer von Daniel Rapp. „Ich bin immer noch ein aufmerksamer Zeitgenosse“, sagt Frey, mit seinen 73 Jahren kokettierend.

Daniel Rapp befindet sich derweil im Gespräch mit den Bürgern. Mit einem Ravensburger Taxifahrer, der ihm eine Mitfahrrunde anbietet. „Das machen wir“, verspricht Rapp, habe er doch schon so viel vom vielbeschworenen Ravensburg bei Nacht gehört. Mit einem derzeit im Meckenbeurer Exil lebenden Christoph Kreh, der sich bei Rapp detaillierte Informationen holt. Auch wenn Kreh selbst nicht wählen darf und die „Was wäre, wenn die Museumsverträge noch nicht unterzeichnet wären“-Frage müßig ist. Und mit Abtrünnigen ist Rapp natürlich am liebsten im Gespräch: „Sehr schön, ein Grüner, der mich wählen will“, frohlockt er und wendet sich dem Mann zu, der mit wildem Haar, langem Bart und Teddybär in der Brusttasche seinem aktuellen Wunschkandidaten ein paar Neuigkeiten entlocken will.

Rapp zuzuhören bedeutet, Bewährtes zu hören: „Ich gelte als Zuschussfuchs“ fällt da, und auch „der Konsolidierungshaushalt, die Finanzen, das interessiert die Bürger am Meisten.“ Erstaunlich aber auch: dass Rapp ein schier unerschöpfliches Namensgedächtnis zu haben scheint. Einer jungen Frau mit Kinderwagen hat er irgendetwas versprochen, kaum sieht er sie, fällt ihm ein „Ihnen schulde ich noch eine Antwort...“ und prompt hat er auch den Namen der jungen Mutter parat. Auf die Frage nach der Stimmung in Sigmaringen gibt Rapp elegant Auskunft: „Die Menschen sagen: Schade, wenn Sie gehen – aber wir drücken Ihnen die Daumen.“

Wer definitiv die Daumen drückt, das ist Rapp-Wahlhelfer Willi Müller aus der Nordstadt. Dabei verströmt der Rentner fröhliche Zuversicht: „Wir haben 17 Meter Vorsprung – und die werden wir bis ins Ziel auch nicht mehr hergeben!“ Ähnlich positiv gestimmt blickt aber auch die Metzger-Fraktion auf die nächste, alles entscheidende Woche. Diese Fraktion hat sich im Selbstläufermodus zur „Bürger für Oswald Metzger“-Initiative formiert, nach dem Abend in der Zehntscheuer.

„Wir sind keine Initiative von Oswald Metzger“, versichert Martin Rothmund. Er ist einer von geschätzten 40 Menschen auf dem Marienplatz, die mit einem laminierten Namensschild am Revers Bekenntnis für Metzger ablegen. „Man soll sehen, die Bürgerschaft kämpft für das, was sie will“, begründet Rothmund seinen Einsatz. Was er will? Einen OB mit Lebens- und Berufserfahrung, einen, mit politischen Erfahrungen auf allen Ebenen.

So sieht das auch Mitstreiter Nico Rogg, der just von einer Dame angesprochen wird. „Wie kann ich den Wahlkampf von Herrn Metzger denn auf den letzten Metern noch unterstützen?“, fragt sie und bekennt umgehend offen, im ersten Wahlgang Lösch gewählt zu haben. Rechtsanwalt Nico Rogg hat mittlerweile eine etwa 200 Köpfe umfassende Liste an Menschen, die als Unterstützer und Multiplikatoren für Metzger fungieren wollen. „Dabei kannte ich keinen der Kandidaten und habe bis zu dieser Woche auch keinen unterstützt“, versichert der bekennende Ratsstubianer Rogg. Vor dem Abend mit Metzger in der Zehntscheuer am vergangenen Mittwoch habe er sogar gedacht: „Entweder es kommen nur 30 Leute und wir trinken nachher fünf Beerdigungsbiere -- oder der Funke springt über.“

Aber bei den 300 Zehntscheuer-Besuchern scheint Metzger viele Funken gezündet zu haben. Immerhin waren aus dem Stand Tags darauf auf dem Wochenmarkt in der Weststadt schon an die 15 Unterstützer von Metzger präsent. Rogg: „Wir verstehen uns als Multiplikatoren und erklären natürlich Freunden, Nachbarn oder Kollegen gerne, weswegen wir für Metzger sind.“ Ganz wichtig für Rogg: „Aber wir haben keinen missionarischen Trieb, wir sind weder militant noch aggressiv und möchten auch keinen Graben durch Ravensburg ziehen!“. Am kommenden Sonntag wird der Bessere von zwei Guten gewinnen, so sportlich sieht das Rogg.

Und Oswald Metzger, der mit knapp 15 Prozent weniger Stimmen immerhin der deutliche zweite Sieger im ersten Wahlgang? „Ich geb’ Gas, ganz klar!“ tut Metzger kund. Und: „Erfahrungsgemäß wird die Wahlbeteiligung im zweiten Wahlgang geringer sein.“ Woran liegt das? „Naja, viele denken, mein Kandidat gewinnt sowieso...“ weiß der erfahrene Metzger. Was noch niemand weiß: wessen Wähler in der Mehrheit so denken werden. Es wird also auch auf den letzten Metern spannend bleiben.

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