RAID taugt wenig für den Hausgebrauch

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Deutsche Presse-Agentur

Vor 20 Jahren kosteten Festplatten noch ein kleines Vermögen. Für 20 Megabyte Speicherplatz mussten Verbraucher Mitte der 80er Jahre 1200 Mark und mehr hinblättern.

Größere Platten waren fast nicht bezahlbar. Forschungseinrichtungen, die auf große Datenspeicher angewiesen waren, suchten deshalb nach Möglichkeiten, aus alten oder relativ kostengünstigen kleinen Festplatten eine große zu machen. 1987 entstand so an der University of California das erste Redundant Array of inexpensive Disks (RAID), ein Verbund kostengünstiger Festplatten.

Die mehrfache Speicherung aller Daten sollte das gestiegene Ausfallrisiko der Platten im Verbund und das damit verbundene Risiko des Datenverlustes minimieren. Wie wichtig die Sicherung von Daten ist, die auf magnetischen Medien gelagert werden, zeigt eine Studie des Internet-Unternehmens Google, bei der die Selbstüberwachungs-Speicher von mehr als 100 000 Festplatten ausgewertet worden sind. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Harddisk mit fehlerhafter Plattenoberfläche binnen 60 Tagen Schreib- oder Lesefehler produziert 39 mal höher als bei Festplatten mit einwandfreier Oberfläche.

Mit den Jahren wurden die Festplatten auch in größeren Ausführungen immer günstiger. Das führte bei der Auslegung von RAID-Systemen zu einem Paradigmenwechsel: Es ging nicht mehr nur um Ausfallsicherheit. Wegen des durch mehrere parallel arbeitetenden Festplatten möglichen höheren Datendurchsatzes fanden RAID-Systeme auch immer häufiger Anwendung in Servern. Die Abkürzung RAID blieb, stand aber fortan für Redundant Array of independent Disks, also eine mehrfache Anordnung unabhängiger Festplatten.

„Für den Serverbereich ist das nach wie vor interessant“, sagt Klaus Dembowski, Sachbuchautor und Diplom-Ingenieur am Institut für Mikrosystemtechnik der Technischen Universität Hamburg-Harburg. „Ich sehe RAID aber für den normalen Desktop-Bedarf als überflüssig an.“

PCs, Netzwerkspeicher-Geräte (NAS) oder Multimedia-Notebooks mit zwei Festplatten-Einschüben werden manchmal mit RAID-Technologie angeboten, meist mit den sogenannten Leveln 0 oder 1. Die Level kennzeichnen, wie die Platten genau zusammenarbeiten. Mit dem Level 1 (Mirroring), bei dem auf beiden Platten dieselben Daten gespeichert werden, soll eine höhere Ausfallsicherheit erreicht werden. Das Level 0 (Striping) steht für höheren Datendurchsatz, weil die Daten über alle Platten verteilt werden. Vor allem Spielefans erhoffen sich hier Geschwindigkeitsvorteile. „Wenn der Treiber nicht gut ist, klappt das auch nicht“, schränkt Dembowski aber ein. Außerdem sind alle Daten pfutsch, wenn auch nur eine Platte ausfällt.

Das heißt nun aber nicht, dass die Daten beim RAID Level 1 sicherer sind. Zwar liegen auf allen Platten dieselben Daten. Das ist vorteilhaft beim Totalausfall einer Platte, weil die Verfügbarkeit des Systems erhöht wird. Kommt es jedoch zu einem Fehler oder löscht der Benutzer versehentlich etwas, betrifft dies alle Kopien auf allen Platten. Eine echte Datensicherung kann RAID also nicht ersetzen. „Wenn es darum geht, erhöhte Sicherheit zu schaffen, sollte man besser ein Backup anlegen“, rät Diplom-Ingenieur Dembowski. Das sollte idealerweise ein Speichermedium sein, auf das der Rechner oder das NAS-Gerät nicht ständig zugreift. In Frage kommen zum Beispiel USB-Festplatten oder -Sticks.

Interessant wird die RAID-Technologie eigentlich erst mit dem Level 5, das sowohl gesteigerten Datendurchsatz beim Lesen als auch echte Redundanz bietet, aber bei Geräten für Konsumenten eigentlich nicht zu finden ist. „RAID 5 kombiniert im High-End-Segment die Vorteile beider Verfahren, indem es die Daten so auf mindestens drei Platten verteilt, dass sich beim Ausfall eines Laufwerkes aus den übrigen die gesamte Information rekonstruieren lässt“, schreibt die Zeitschrift „c't“.

Die Koordination von RAID-Festplatten übernehmen in der Regel separate Controller. Sie geben den Verbund dem Betriebssystem gegenüber als ein einziges logisches Laufwerk aus. Oft muss aber bei Geräten im Consumer-Bereich der PC-Prozessor die Arbeit des eingesparten Controllers übernehmen. Deshalb steigt bei einer Fehlfunktion die Gefahr eines Datenverlustes, die RAID ja eigentlich verhindern soll. RAID-Systeme ohne eigenen Controller werden deshalb auch als Fake-RAID, also als falsches RAID bezeichnet. Anwender sollten bei ihrem RAID-Verbund - falls vorhanden - die Option „Just a Bunch of Disks“ (JBOD) wählen, rät die Zeitschrift „c't“. Dies erhöhe die Chance, dass beim Ausfall einer Platte verlorene Daten auf einer anderen Platte wiedergefunden werden.

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