Purer Soul: Lee Fields & The Expressions

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Lee Fields
Lee Fields rührt mit seinem Soul die Herzen an. (Foto: DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Walter Willems

Die Karriere von Lee Fields schien schon beendet. In den 1980er Jahren sah sich der Sänger nach einem Job um und wollte ein Restaurant eröffnen. „Ich dachte wirklich, dass es mit der Musik vorbei war“, erinnert er sich.

Sterile Synthesizer und Drum Computer, das passte nicht mehr zum knackigen Soul der alten Schule, für den der Mann aus dem US-Staat North Carolina schon seit den 1960er Jahren stand.

Seit 1969 hatte Fields, der wegen seiner Ähnlichkeit zu James Brown in Aussehen, Outfit und Stimme einst „Little JB“ genannt wurde, hauptsächlich Singles veröffentlicht. Erst 1979 erschien sein erstes Album „Let's Talk It Over“ - und blieb weitgehend unbeachtet. Als der Erfolg in den 1980er Jahren ganz ausblieb, war es seine Frau Christine, die ihn bei der Musik hielt. „Beib bei dem, was du kannst“, riet sie ihm damals.

Sie sollte recht behalten, die Durststrecke endete und seit den 1990er Jahren veröffentlicht der inzwischen 68-jährige Fields regelmäßig Alben, die hoch gelobt werden. Die Tage des ungestümen James Brown-Funk sind jedoch vorbei, inzwischen ist die Musik wesentlich Melodie-orientierter, seit 2009 begleitet ihn eine feste Band: The Expressions.

Nun, zum 50-jährigen Jubiläum seiner ersten Aufnahme und zum 10-jährigen der Expressions, klingt Fields besser als je zuvor. Das Album „It Rains Love“ (Big Crown Records/Cargo) versetzt die Hörer in jene goldene Ära, als der Soul noch für sich in Anspruch nahm, nicht nur eine musikalische, sondern auch eine soziale Botschaft zu versenden und die Welt - nicht zuletzt durch gute Grooves - zu einem besseren Ort zu machen.

Schon der vorab veröffentlichte Titelsong „It Rains Love“ gibt mit seinem unwiderstehlichen Groove den Takt vor. Quirliges Schlagzeug, funkig wummernder Bass, perlige dezente Gitarre - mehr braucht es nicht, um die mächtige Stimme von Fields voll zur Geltung zu bringen. Das klingt so frisch und unverschnörkelt, als hätte die Band den Soul, dessen klassische Ära doch schon Jahrzehnte zurückliegt, gerade erst erfunden.

Um heilende Liebe geht es hauptsächlich, wie es sich für eine Soul-Platte gehört: „You're What's Needed In My Life“ wäre nicht die schlechteste Untermalung für eine Liebeserklärung. Natürlich geht es auch um Gott als Halt in verzweifelten Zeiten („God Is Real“).

Und im kämpferischen „Wake Up“ ruft Fields dazu auf, sich nicht - unter Verweis auf „Fake News“ - einlullen zu lassen, sondern die Augen offenzuhalten und für seine Rechte aufzustehen. „You can't tell me / just who to be / cause you are you / and I am me“, schreit er. „Cause Only The Truth Can Set Us Free!“ - gefolgt von Stakkato-artigen Bläsersalven. Besser - und kämpferischer - hat Soul lange nicht geklungen.

Lee Fields & The Expressions spielen am 26. April in Berlin (Columbia Theater) und Anfang August auf dem Festival „A Summer’s Tale“ in Luhmühlen bei Lüneburg. Am 07.10. steht noch ein Auftritt in Düsseldorf an, am 09.10. in München

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