Puppen per Luftpost: Schmetterlingsgarten rüstet sich

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Deutsche Presse-Agentur

„Lebende Schmetterlinge - zerbrechlich“, steht in Englisch auf den Kartons. Vor wenigen Stunden sind die Pakete aus dem zentralamerikanischen Costa Rica im Garten der Schmetterlinge im rheinland-pfälzischen Bendorf-Sayn angekommen.

Ihr Inhalt: rund 1200 Schmetterlingspuppen. Gerlinde Blaese packt die wertvolle Fracht aus und nimmt jede einzelne Puppe in die Hand. Mit Nadeln steckt sie die Puppen nebeneinander auf eine Styroporplatte. Diese kommt in einen Kasten mit etwa 27 Grad und 70 bis 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. Zur Eröffnung der neuen Saison im Garten werden eine Reihe der prachtvollen Insekten bereits geschlüpft sein.

Vor der mehrtägigen Reise von Südamerika nach Rheinland-Pfalz werden die Puppen genau kontrolliert. „Beim Import von lebenden Tieren sind sehr viele Bestimmungen und Regeln zu beachten“, erzählt Blaese. So dürfen keine Schädlinge mit eingeschleppt werden. Während der Reise dürfen die Puppen nicht zu kühl und nicht zu heiß gelagert werden - auch stärkere Erschütterungen können sie nicht ab. Aus rund 90 Prozent der aus Costa Rica eingeführten Puppen schlüpfen später Schmetterlinge. Die Rate ist damit nach Einschätzung von Blaese relativ hoch. Alle Schmetterlinge, die in Sayn fliegen, sind gezüchtet - sie kommen nicht aus der freien Natur.

Gabriela Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn eröffnete den Garten 1987. Ihr Ziel ist es, vor allem Kindern die Wunder der Natur zu zeigen und ihnen die Scheu vor Insekten und anderen Tieren zu nehmen. Rund 1000 Schmetterlinge flattern um die Köpfe der Besucher. „Über das Jahr hinweg haben wir 200 verschiedene Arten“, sagt die Fürstin. Wöchentlich kommen neue Päckchen mit insgesamt 250 bis 350 Puppen aus Costa Rica, Asien und Afrika. Denn Schmetterlinge werden nur wenige Wochen alt. Daneben leben unter anderem Sittiche, Schildkröten, Koi-Karpfen, Wachteln, Leguane und Bartagamen in dem mit tropischen und subtropischen Pflanzen ausgestatteten Schmetterlingshaus.

Rund 80 000 Besucher kommen nach Angaben der Fürstin jedes Jahr in den Garten. Zu den Lieblingen der Gäste zählt der Blaue Morpho, ein Schmetterling aus Südamerika, der himmelblau scheint. Mit ihrem Garten will die Fürstin aber auch auf das Schicksal heimischer Schmetterlingsarten aufmerksam machen. „Jede Raupe braucht eine ganz spezielle Futterpflanze“, erklärt sie. Fehle die Pflanze, könne auch der Schmetterling nicht überleben. So sei der Apollofalter, der an der Mosel lebt, von der Weißen Fetthenne abhängig. Schmetterlinge seien „Bioindikatoren“: „Erst stirbt der Schmetterling, dann die Vegetation, und irgendwann trifft es uns auch“, meint die Fürstin.

Eröffnet wird der Garten am Sonntag (1. März). Parallel wird eine Ausstellung der Künstlerin Mana Binz gezeigt. Die Saison geht bis zum ersten Advent. Dann macht der Garten - wie in jedem Jahr - eine Winterpause.

Schloss Sayn: www.sayn.de

Schmetterlinge beginnen ihr Leben als winziges Ei, das an einer Pflanze klebt. Im Inneren entwickelt sich eine Raupe. Sie schlüpft nach zwei bis drei Wochen. Die Raupen fressen und werden dabei so dick, dass ihre Haut platzt. Die Raupe häutet sich also - und das gleich mehrmals. Ist sie dick genug, verpuppt sie sich. In der Puppe verwandelt sich die Raupe in einen zarten Schmetterling. Schmetterlinge ernähren sich von Nektar oder anderen Pflanzensäften, an denen sie mit ihren Rüsseln saugen. Weltweit gibt es mehr als 180 000 Schmetterlings-Arten. Manche von ihnen werden richtig groß: Atlas-Seidenspinner zum Beispiel können eine Flügelspannweite von 32 Zentimetern erreichen.

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