Punk in Landfrauentracht

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„Jetzt bin i do“ singt Martina Schwarzmann. Eigentlich hätte sie schon vor einer Woche auf der Stadthallenbühne sitzen, beziehun
„Jetzt bin i do“ singt Martina Schwarzmann. Eigentlich hätte sie schon vor einer Woche auf der Stadthallenbühne sitzen, beziehungsweise stehen sollen. (Foto: Markus Lehmann)
Schwäbische Zeitung
Markus Lehmann

„G’scheid g’freid“ haben sich die Fans von Martina Schwarzmann wieder in der Stadthalle. Diesmal ist die bayerische Kabarettistin, bekannt für ihre Ausflüge in die Tücken des Alltags bis hin zu anarchistischen Weisheiten, aber nicht mit ihrem Programm „G’scheid g’freid“ auf die Ostalb gekommen wie im November 2015, sondern mit ihrem aktuellen Programm. „Genau richtig“ heißt es und trifft ganz offenbar den Nerv der Gäste.

Genau richtig fühlt sich die Landwirtin und Mutter von drei Kindern wohl auch. Weil auch die Familie und sogar der Stall ganz nette Kabarett-Pools sein können, aus denen man tief schöpfen kann.

„Jetzt bin i do“ stimmt sie auf der Akustik-Gitarre an. Eigentlich beginnt sie ihr Programm mit „I bin jetzt do“. Vielleicht ein kleiner, subtiler Hinweis, denn eigentlich hätte sie vor einer Woche in Aalen sein sollen. Der Termin war aber eine Doppelbesetzung, dafür entschuldigt sie sich und verkündet streng mit leicht humoristischem Einschlag: Derjenige, der das verbockt hat, wäre natürlich sofort gefeuert worden. Leider konnte der oder die Schuldige nicht ermittelt werden.

Nach dieser „langen Geburt“ legt sie aber richtig los. Apropos Geburt: Drei Kinder hat sie, erzählt sie. Die wollen aber, dass sie im Programm nicht auftauchen. Schon gar nicht mit der Nennung des Alters. Also umschreibt sie’s diplomatisch und vorsichtig so: „Mein ältester Mitbewohner ist schulpflichtig.“

Ob diese Vorsicht etwas mit den sogenannten sozialen Medien zu tun hat? „I bin net bei Facebook. I bin bei mir!“, sagt sie baeyrisch-apodiktisch. Nochmals geht es um die Familie, die ja mit der Landwirtschaft und der Bühnen-Präsenz zu vereinbaren ist. Da hat sie eine Idee: Könnte man denn nicht Babysitter und Versorgung der Oma zusammenlegen mit dem Pflegedienst?

Wie gesagt, mit Verspätung kam sie nach Aalen. Und das, obwohl angeblich ein gewisser George Clooney nach ihr verlangte. Der hat zwar keine Chance, weil sie ihren Mann liebt. Vor allem, wenn er weg ist. Aber bei dem Stichwort auf den frauenumschwärmten Schauspieler fällt auf: Schwarzmann erinnert immer wieder nicht so sehr an „typisches“ deutsches Kabarett, sondern an Stand-Up-Comedy, wie sie seit langem in den USA praktiziert wird. Sie nimmt die Fans mit an alle möglichen Orte (wie an den Weiberstammtisch) oder an nahezu unmögliche Orte und Regionen des schieren Irr- und Unsinns. Sie spielt mit Pointen und Liedzeilen. Am Rande erfährt man, dass sie wohl mal in einer Punkband ausgeholfen hat, als beim Gitarrist eine Saite gerissen war. Man nimmt’s ihr ab, weil in ihr tatsächlich ein wenig Punk steckt. Trotz der streng nach hinten gekämmten Haare, biedere Landstil-Jäckchen und züchtigem Folklore-Schal.

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