Psychosoziale Hilfe rückt jetzt in den Vordergrund

Schwäbische Zeitung

Ravensburg/Weingarten (sz) - Zusammen mit mehr als 1000 überwiegend ehrenamtlichen Katastrophenschützern und Helfern ihrer Organisation aus ganz Deutschland sind die Malteser zum Teil über Tage im Hochwasser-Einsatz gewesen, auch aus Ravensburg-Weingarten. Dazu gehörten laut Pressemitteilung auch koordinierte Aktionen, die von der Hilfsorganisation außerhalb des amtlichen Katastrophenschutzes initiiert wurden.

„In den ersten Tagen der Akutphase haben die Malteser an mehreren Standorten Menschen gerettet, evakuiert, betreut, Einsatzkräfte der Feuerwehr, des Technischen Hilfswerks und anderer Hilfsorganisationen verpflegt, Einsatzmaterial und Hilfsgüter transportiert“, schreibt die Pressestelle.

Für die Malteser tritt mit dem Rückgang der unmittelbaren Bedrohung durch die Unwetterlage nun die psychosoziale Hilfe für Betroffene, Angehörige und Einsatzkräfte in den Vordergrund. Im Landkreis Euskirchen haben die Malteser die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) für sämtliche Einsatzkräfte übernommen. Es wurde begonnen, Fachkräfte aus dem Bundesgebiet zusammenzuziehen – auch die PSNV-Kräfte der Weingartener Malteser halten sich auf Abruf bereit. In Schleiden (Eifel) hat der Bürgermeister die Malteser beauftragt, auch der betroffenen Bevölkerung psychosoziale Unterstützung anzubieten. „Die Kollegen sind schon vor Ort in den Straßen und an Verpflegungspunkten. Wir sind gut erkennbar und werden von den Menschen angesprochen. Die Erfahrung, zum Beispiel aus den Hochwassern an der Elbe, lehrt uns, dass es besser für die Menschen ist, wenn sie uns ansprechen und nicht wir sie. Niederschwellig zu helfen, Herz und Seele vom Druck der Ereignisse zu entlasten – das ist jetzt unsere Aufgabe“, sagt Petra Braun, die Leiterin der PSNV und Krisenintervention in Weingarten. Sie rechnet damit, dass viele Menschen erst in den nächsten Wochen so weit zur Ruhe kommen, dass sie die seelischen Leiden zulassen und bearbeiten können.

Christoph Diller, der Leiter der Malteser-Einsatzdienste im Landkreis Ravensburg, sagt in einer ersten Bilanz: „Wir trauern mit den Angehörigen um die Verstorbenen, wir beten mit ihnen für die immer noch Vermissten und für die Verletzten, deren Leben von der Katastrophe gezeichnet ist. Für unsere Helferinnen und Helfer war und ist der aktuelle Einsatz eine maximale Herausforderung. In dem riesigen Leid konnten sie schon viel helfen, oft sogar Leben aus unmittelbarer Gefahr retten. Dennoch bleiben auch für sie viele schmerzende Erinnerungen. Wir wissen, dass sich der Körper nach Schlaf und Ruhepausen relativ schnell erholt. Die Seele aber, von Betroffenen wie auch von Helfern, braucht Zeit, um zu verarbeiten. Dafür bieten wir die psychosoziale Unterstützung.“

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