Porträt: Mehdorn hat die Bahn geprägt

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Deutsche Presse-Agentur

In seinen fast zehn Jahren an der Spitze der Deutschen Bahn hat Hartmut Mehdorn dem bundeseigenen Konzern seinen Stempel aufgedrückt - und die einstige Behörde auch mit Zukäufen auf einen ehrgeizigen neuen Kurs getrimmt.

Aus dem national tätigen Eisenbahnanbieter wurde ein weltweit agierender Transporteur, der ebenso in der Luft, zur See und auf der Straße Fracht befördert. Im Ringen um die Strategie des letzten großen Staatsunternehmens eckte der streitlustige Manager aber immer wieder an. Sein großes Ziel eines Börsengangs hat der 66-Jährige vorerst nicht erreicht.

Auf den Schleudersitz bei Europas größtem Verkehrskonzern holte den studierten Ingenieur Ende 1999 der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Der Auftrag: die Sanierung bis zum Erreichen der Kapitalmarktreife. Den wirtschaftlichen Erfolg der „Ära Mehdorn“ erkennen inzwischen selbst Kritiker seines ruppigen Stils an: Von operativ 1,5 Milliarden Euro Verlust 1999 ging es aufwärts bis operativ 2,9 Milliarden Euro Gewinn 2007. „Man soll sich zwar nicht selber loben, aber im Grunde glaube ich schon, dass ich viel erreicht habe“, sagte Mehdorn einmal selbst.

Auf der politischen Bühne hat der oberste Eisenbahner jedoch etliche Widersacher. Trotz aller Kämpfe „überlebte“ Mehdorn aber fünf Verkehrsminister, nicht zuletzt dank enger Drähte ins Kanzleramt. Brenzlig wurde es für den Konzernboss mehrfach: So 2003, als ein neues Preissystem nach einem Proteststurm der Kundschaft nach wenigen Monaten einkassiert werden musste. Im Herbst 2004 wackelte sein Stuhl, nachdem Pläne für einen Börsengang noch 2006 von Bund und Aufsichtsrat abrupt gestoppt wurden. Im vergangenen Oktober musste Mehdorn dann den greifbar nahen Börsengang wegen der Finanzkrise wenige Tage vor dem Ziel bis auf weiteres abblasen.

Der Berliner Fabrikantensohn und Vater dreier erwachsener Kinder ist ein eher hemdsärmeliger Managertyp. Auch gibt sich der studierte Maschinenbauingenieur, der mit einer Französin verheiratet ist, nicht gern geschlagen. So nahm er 1995 seinen Hut, als er nicht den Chefposten beim Luft- und Raumfahrtkonzern Deutsche Aerospace bekam, und wechselte an die Spitze der Heidelberger Druckmaschinen. Von dort ging es zur Bahn. Dass es ihm dort bei den Börsenplänen um persönliche Meriten gehe, hat er immer als Unsinn bezeichnet: „Ich pfeife auf ein Denkmal. Und wenn es darum ginge, hätte ich es schon.“

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