Porträt: Livni mit Botschaft des Wandels

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Deutsche Presse-Agentur

Der politische Aufstieg von Außenministerin Zipi Livni, deren Kadima-Partei knapp stärkste Fraktion im Parlament wurde, verlief für israelische Verhältnisse nahezu kometenhaft.

Die 50 Jahre alte Juristin und frühere Geheimdienstagentin vollzog den Sprung nach ganz oben binnen nur eines Jahrzehnts. Bei der Wahl kämpfte sie dafür, zweite Ministerpräsidentin in der Geschichte Israels zu werden. Dabei warb die Politikerin mit einer Botschaft des Wandels, der Hoffnung und der Chancen in einer sich ändernden Nahost- Region.

Als Frau stand Livni in einer von Männern dominierten Politik vor zahlreichen Hindernisse. Ein Problem: Die erste Frau im höchsten Regierungsamt, Golda Meir (1969 bis 1974), war damals älter als ihre männlichen Herausforderer. Livni hat es im Wahlkampf nicht geschafft, die Pauschalvorwürfe ihrer Konkurrenten, sie sei zu unerfahren und das Ministerpräsidenten-Amt eine Nummer zu groß für sie, zu entkräften. Als Mitglied der Führungstroika in der scheidenden Regierung habe sie nicht den Kaffee gekocht, konterte Livni ironisch.

Gemeinsam mit ihrem politischen Mentor, dem ehemaligen Ministerpräsidenten Ariel Scharon, hatte Livni im November 2005 den rechtsgerichteten Likud verlassen und Kadima (Vorwärts) gegründet. Nachdem Scharon Anfang Januar 2006 einen Schlaganfall erlitt und der jetzt scheidende Ministerpräsident Ehud Olmert die Amtsgeschäfte übernahm, wurde Livni zur Außenministerin ernannt. Nach dem Rücktritt des unter Korruptionsverdacht stehenden Olmert wurde sie am 17. September Parteivorsitzende.

Selbst wenn ihr die Regierungsbildung nicht gelingen sollte, hat Livni nach Ansicht des angesehenen Kommentators Nachum Barnea „einen der beeindruckendsten Siege in der Geschichte der israelischen Politik errungen“. Es sei ihr gelungen, Kadimas Position als stärkste Fraktion zu wahren, schrieb er am Mittwoch in der israelischen Zeitung „Jediot Achronot“ - angefangen hab sie dabei „fast von null“.

Livni hat einen weiten Weg vom rechten politischen Spektrum bis zur Mitte zurückgelegt. Zipora, wie ihr biblischer Vorname vollständig lautet, wurde am 5. Juli 1958 in Tel Aviv geboren. Sie wuchs in einer bekannten rechtsgerichteten und zionistischen Familie auf. Gemeinsam mit Ehemann Naftali hat sie zwei Söhne.

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