Porträt: General-Motors-Boss Rick Wagoner

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Deutsche Presse-Agentur

Angesichts milliardenschwerer Rekordverluste des US-Autobauers General Motors wird Rick Wagoner eine Frage seit Jahren nicht mehr los: „Wie lange stehen Sie noch an der GM-Spitze?“, wollen Journalisten bei fast jedem Auftritt des 56-Jährigen wissen.

In so schweren Zeiten sei ein Wechsel „nicht sehr schlau“, antwortet er meist und schiebt sein leicht verkniffenes Lächeln nach. „GM lächelt sich durch die Apokalypse“, urteilte die US-Presse einmal scharf.

Seit Juni 2000 sitzt der gut 1,90 Meter große Ex-Basketballspieler am Steuer der Opel-Mutter GM. Vor mehr als drei Jahrzehnten begann er seine Karriere bei der einstigen Ikone der US-Industrie. Mit einem Business-Abschluss der renommierten Harvard University in der Tasche startete er in der GM-Finanzabteilung. Die Sorge ums fehlende Geld raubt dem schlaksigen Blondschopf heute den Schlaf.

In Wagoners Amtszeit geriet GM auf immer steilere Talfahrt: Die Verluste schwollen lebensbedrohlich an. Ausgerechnet zum 100. Geburtstag im vergangenen Jahr verlor der Traditionskonzern den Titel als weltgrößter Autobauer an den japanischen Erzrivalen Toyota. Wagoner stemmte sich mit dem Abbau von Zehntausenden Stellen und Werksschließungen gegen die Krise.

Ohne Wagoners radikale Einschnitte wäre alles noch viel schlimmer gekommen, halten ihm einige Experten zugute. Aktionäre aber fragen: Noch schlimmer als ein Absturz der GM-Aktie von weit über 60 Dollar auf gerade noch zwei Dollar während seiner Amtszeit? „Wagoner greift in ein fallendes Messer - und scheitert“, titelte denn auch das US-Wirtschaftsmagazin „Fortune“ einmal.

In den Türmen der Detroiter Konzernzentrale wird längst der für das Tagesgeschäft zuständige GM-Präsident Fritz Henderson als ein Nachfolger für Wagoner gehandelt.

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