Porträt: Das Leben des Josef Fritzl

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Deutsche Presse-Agentur

Josef Fritzl ist der Angeklagte in einem der aufsehenerregendsten Gerichtsprozesse Österreichs. 24 Jahre lang hat er seine Tochter Elisabeth im Keller seines Hauses gefangen gehalten und immer wieder vergewaltigt; sieben Kinder zeugte er so mit seiner Tochter, von denen sechs überlebten.

Doch sein Lebenslauf liest sich wie der eines jeden Normalbürgers. Am 9. April 1935 wurde Fritzl in Amstetten geboren, der niederösterreichischen Kleinstadt, in der fast 50 Jahre später das Martyrium seiner Tochter beginnen sollte. Das Einzelkind besuchte die Volks- und Hauptschule, danach absolvierte Fritzl eine Lehre als Elektromechaniker und Elektrotechniker, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA schreibt. Die dabei erworbenen Kenntnisse seien ihm später nützlich gewesen, als er seinen Keller in ein Verlies umbaute, in dem seine Tochter und drei mit ihr gezeugte Kinder bis zu ihrer Befreiung im April 2008 ausharren mussten.

Nach der Gesellenprüfung arbeitete Fritzl als Elektriker bei dem Stahlkonzern VOEST. Abends besuchte er die Werkmeisterschule und einen Vorbereitungskurs für die Höheren Technischen Lehranstalten (HTL). Als er seinen Job verlor, erlahmte auch sein Interesse an schulischer Fortbildung, wie die APA weiter schreibt.

Zwischenzeitlich war er nach eigener Aussage aus finanziellen Gründen auf Montage nach Luxemburg und Ghana gegangen, wo er sich eineinhalb Jahre aufgehalten habe. Außerdem habe seine Familie am Mondsee einen Gasthof mit 300 Sitzplätzen gepachtet, um Geld dazu zu verdienen. Was aus diesem Vorhaben wurde, blieb unklar. Mit seiner Ehefrau Rosemarie zeugte Fritzl im Laufe der Jahre sieben Kinder, darunter Elisabeth.

Im Alter von 34 Jahren wurde Fritzl Betriebsleiter einer Betonfirma in Amstetten, wo er 1971 kündigte, um die österreichische Generalvertretung eines dänischen Betonrohrbau-Unternehmens zu übernehmen. Diese Tätigkeit übte Fritzl bis zu seiner Pensionierung mit 60 Jahren aus. Monatlich stehe ihm ein „Ruhegenussanspruch“ von 1100 Euro zu, sagte er vor Gericht. Er besitze auch mehrere Immobilien, allerdings laufe ein Konkursverfahren.

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