Porträt: Danny Boyle - Ein versteckter Romantiker

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Deutsche Presse-Agentur

Bevor er zum Dreh von „Slumdog Millionär“ nach Indien fuhr, kannte Danny Boyle von dem Land im Prinzip nur das Essen aus den Restaurants in London.

„Ich hatte wie die meisten Menschen Vorurteile und Klischeevorstellungen“, sagte der 52 Jahre alte britische Regisseur jüngst in einem Interview mit dem Fachblatt „epd Film“. Doch dann habe er gelernt, sich auf Indien und vor allem die Stadt Mumbai als Schauplatz seiner Geschichte vorbehaltlos einzulassen.

Herausgekommen ist ein lebensbejahender Film, der das Publikum vom ersten Moment an auf seine Seite zieht. In berauschenden Bildern erzählt Boyle, ein „versteckter Romantiker“, vom Glauben eines Mannes an sich selbst und an seine große Liebe. Auch er selbst hat, wie er gesteht, erst spät gemerkt, dass sein Werk eine ganz ur-amerikanische Geschichte erzählt: „Ein Außenseiter, ein Ausgestoßener ­ ohne Hoffnung, ohne Fähigkeiten, mit einem Traum ­ lässt nicht locker und am Ende triumphiert er. Es ist der amerikanische Traum, wobei es nicht so sehr um Geld und Erfolg geht, sondern um Liebe.“ Möglicherweise hat die Oscar-Akademie gerade dieser Geist seines Filmes beeindruckt.

Bekannt wurde der in der englischen Arbeiterstadt Manchester geborene Danny Boyle 1996 mit dem Fixer-Drama „Trainspotting“, das seinen Lieblingsschauspieler Ewan McGregor schnell bekanntmachte und Boyle den Vorwurf eintrug, die Drogenszene für seinen Film zynisch auszubeuten. Dann ging er in die USA und hatte kein gutes Händchen mit seinen Stoffen. Er drehte unter anderem mit Leonardo DiCaprio den Flop „The Beach“ (2000) oder auch den wenig erfolgreichen Science-Fiction-Film „Sunshine“ (2007).

In das indische Buch vom Quizteilnehmer, der die Antworten auf die schwierigsten Fragen direkt in seinem Leben findet, habe er sich sofort auf den ersten Seiten verliebt, sagt Boyle. Doch erst nach größten Schwierigkeiten mit dem amerikanischen Verleih fand „Slumdog Millionär“ überhaupt den Weg in die Kinos - um jetzt als bester Film des Jahres ausgezeichnet zu werden. Boyle, mittlerweile gewohnt im Umgang mit indischer Weisheit, sagte schon zur Nominierung in „epd Film“: „Ein Inder würde sagen, dass wir deswegen Glück hatten, weil wir nicht mit dem Schicksal gehadert, sondern die Widersprüche angenommen haben.“

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