Porträt: Aribert Heim alias „Dr. Tod“

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Deutsche Presse-Agentur

Der gebürtige Österreicher steht auf der Liste der weltweit gesuchten Nazi-Verbrecher an erster Stelle: Aribert Heim, alias „Dr. Tod“, soll im Konzentrationslager Mauthausen bei Linz als junger Mann hunderte Menschen auf bestialische Weise gefoltert und getötet haben.

Aus Sicht der meisten Historiker steht die Dimension des Falles Heim den sadistischen Verbrechen eines Josef Mengele, dem „Todesengel von Auschwitz“, kaum nach.

Heim galt als extrem grausam. Augenzeugen berichteten, er habe aus der gegerbten Haut eines Opfers einen Lampenschirm für den Lagerkommandanten herstellen lassen. Er soll als „Dr. Tod“ im KZ Mauthausen bei Linz während des Zweiten Weltkrieges hunderte Insassen durch Spritzen ins Herz oder bei „Operationen“ ohne Betäubung getötet haben. Laut Augenzeugen war Heim 190 Zentimeter groß und von kräftiger sportlicher Figur. Besonderes Merkmal ist auch seine Schuhgröße 47. Unverkennbar ist zudem eine V-förmige Narbe, die quer zum rechten Mundwinkel verläuft. Vor seinen Gräueltaten spielte der 1914 in Radkersburg (Österreich) geborene Heim Eishockey in der österreichischen Nationalmannschaft.

Nach dem Krieg praktizierte Heim unter seinem richtigen Namen zunächst unbehelligt in Baden-Baden als Frauenarzt und ist seit dem 13. September 1962 auf der Flucht. Gegen ihn besteht ein internationaler Haftbefehl. Nach dem Krieg wurde Heim von den Amerikanern entnazifiziert. „1946 wurde Heim von den Amerikanern als Mitläufer entlassen“, sagte Joachim Schäck, Leiter der Inspektion Zielfahndung des baden-württembergischen Landeskriminalamtes in Stuttgart. Die ersten Ermittlungen gegen Heim gingen später von Österreich aus. Informationen von Überlebenden erreichten schließlich auch die deutschen Behörden, die dann gegen Heim ermittelten. Er sollte am 14. September 1962 festgenommen werden. Man vermutet, dass Heim gewarnt wurde und so entkommen konnte.

Das nach dem verstorbenen Nazi-Jäger Simon Wiesenthal benannte Zentrum in Jerusalem vermutete Heim im Sommer 2008 in Südamerika irgendwo zwischen Puerto Montt (Chile) und Bariloche (Argentinien). „Er sei gebrechlich, aber könne noch laufen“, hatte der Leiter des Wiesenthal-Zentrums, Ephraim Zuroff, in Buenos Aires einen Informanten zitiert. Beim Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg füllt der Fall Heim 70 Aktenordner.

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