Pommes und Pizza sind die Renner

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Die Ernährungsberaterin ist davon nicht begeistert: „Pommes Frites sind kein vollwertiges Essen.“ Vitamine, Mineralstoffe und Eiweiß fehlten völlig, Fett dagegen sei im Überfluss enthalten. Unter dem einseitigen Essen leide nicht nur der Körper: „Die Kinder können sich dann schlecht konzentrieren.“

Ohne Fehl und Tadel ist dagegen das Hauptgericht: Hähnchen-Gyros mit Tsatsiki, buntem Mais- und Paprikagemüse, wahlweise Reis oder Kartoffelspalten – und entweder Salat oder Obst. Die Elternbeiräte Andrea Ebner und Johanna Bischofberger, die das Testteam an diesem Tag unterstützen, essen mit Appetit. „Ich bin positiv überrascht“, sagt Bischofberger. Andrea Ebner lobt die Ausgewogenheit des Essens. Ihr schmeckt es, nur das Gyros findet sie für Kinder etwas stark gewürzt. Gut findet sie das Preis-Leistungsverhältnis. Für 3,50 Euro kann man sich satt essen, und wer noch Hunger hat, kriegt Nachschlag.

Das Tagesessen muss man auf den Tischen allerdings suchen. Die meisten Kinder vespern Pizzaschnitten, Schnitzelwecken und Pommes, Pommes, Pommes. Vor allem die Kinder, die ohnehin zu Übergewicht tendieren, schlagen bei der knusprigen Verlockung zu. Sie argumentieren mit dem Preis: 3,50 Euro fürs Mittagessen ist ihnen zu teuer, von zuhause bekommen sie höchstens drei Euro. Dafür gäbe es theoretisch zur Pizzaschnitte auch noch einen kleinen Salatteller. Auch den sieht man kaum. Die warmen Snacks von der Hand in den Mund sind im Teenie-Alter einfach angesagter, schätzt die Ernährungsberaterin.

Auf Dauer sind weder der Pächter noch die Schulleitung mit dieser Entwicklung zufrieden. „Bei knapp 2000 Schülern ist die Zahl der Tagesessen einfach zu gering“, sagt Hauptschulrektor Helmut Faden. Zwischen 30 und 60 Mittagessen gehen täglich über die Theke. Ein Großteil wird nicht von Schülern, sondern den Lehrern geordert.

Anfang Dezember startet das Bildungszentrum eine Umfrage in der Schule. Neben der Bewertung des Essens und Einschätzung des Preises sollen auch Fragen zu Ernährungsgewohnheiten beantwortet werden. Bis Januar soll der Fragebogen ausgewertet sein. Dann sollen die Erkenntnisse umgesetzt werden. Günter Schatz hat schon einen Vorschlag: Einfache kleine Gericht – Spätzle mit Soße, Eintopf oder ein Pastagericht – könnte er zusätzlich für einen Preis von zwei bis 2,50 Euro anbieten. Eine Idee, die auch die Ernährungsberaterin hatte.

Acht Beschäftigte arbeiten in Küche und Bistro, darunter auch zwei Hauswirtschafterinnen, die immer wieder Anregungen geben. Der Speiseplan in dieser Woche enthält unter anderem eine Asia-Gemüsepfanne und Bauernomelette. Aus Erfahrung weiß Günter Schatz, dass Fleischgerichte stärker nachgefragt werden. Der Hit sind Hähnchennuggets. Das Fleisch kommt vom hiesigen Metzger, Äpfel holt er beim Bauern vor Ort, Salat im Großmarkt.

Ein Drittel des Umsatzes macht er mit Süßigkeiten. Helmut Faden nennt es einen Kompromiss. Er weiß genau: Wenn es hier kein Naschwerk gibt, wandern die Kinder in die Discounter ab. Dort kaufen sie sich auch die 1,5-Literflaschen Cola. Im Bistro des BZM ist der Verkauf seit einiger Zeit verboten.

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