„Pomm Fritz“-Doping wirkt beim VfB nicht

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Voller Einsatz in der Mercedes-Benz-Arena: „Pomm Fritz“ präsentieren ihre VfB-Fanhymne vor dem Derby gegen den FC Bayern. (Foto: Gerd Mägerle)
Gerd Mägerle

„Mir em Süda von Deutschland sind besser als dr Rescht“, lautet die erste Zeile des bekannten Titels der schwäbischen Rockgruppe „Pomm Fritz“. Dieses Stück haben die fünf Musiker etwas umgetextet und sind damit am Sonntagabend in der ausverkauften Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena ins Rennen um die neue Fanhymne für den VfB Stuttgart gegangen. Vor dem Spiel durften die „Pomm Fritzler“ ihr Stück den etwa 60000 Fans vorstellen. Dass es am Ende nichts wurde mit einem Sieg für den VfB, mag daran gelegen haben, dass der FC Bayern die erste Textzeile des Lieds vielleicht auf sich bezogen hat.

Für „Pomm Fritz“ beginnt der lange Weg zum Drei-Minuten-Auftritt am Abend schon um die Mittagszeit. Stefan Reisacher, Stefan Lämmle, Joe Fels, Martin Eger und Christoph Baur fahren mit ihren Autos direkt vors Stadion, um ihre Instrumente in den Innenraum zu bringen, wo am Rande des Spielfelds auf einer kleinen Rasenfläche eine „Bühne“ angelegt ist. In einem Vip-Raum hinter der Haupttribüne beginnt dann das Warten auf den Soundcheck. Ein VfB-Mitarbeiter weist die Musiker um Sänger Stefan Reisacher auf den akribisch genau einzuhaltenden Zeitplan bis zum Spielbeginn ein: 14.30 Uhr Soundcheck, 16.16 Uhr Interview mit Stefan Reisacher im Innenraum des Stadions und um 16.54 Uhr schließlich der Auftritt von „Pomm Fritz“.

Jeweils zwei Bands dürfen auch an den kommenden drei Heimspieltagen des VfB ihre Fanhymnen vorstellen. Welches Lied das Rennen macht, wird beim letzten Heimspiel am 18. Mai bekannt gegeben. Zusammen mit „Pomm Fritz“ geht an diesem Sonntag die Stuttgarter Band „Lokalhelden“ mit ihrem Song „Mein VfB“ ins Rennen. Beide Bands absolvieren vor noch leeren Rängen ihren Soundcheck und werden vom VfB-Marketing-Geschäftsführer Rainer Mutschler begrüßt. „Ihr habt doch schon mal was für uns gemacht, oder?“, fragt er Stefan Reisacher. Dieser erinnert ihn an die Ballade „VfB, i steh zu dir“, den „Pomm Fritz“ vor rund 15 Jahren für die Stuttgarter aufgenommen hat und die auch am Sonntag nach Spielende durchs Stadion schallt.

„Es hallt wie die Sau“

„Jetzt wollten wir auch mal was Rockiges für den VfB machen“, erklärt Reisacher dem Stadionmoderator etwas später beim Interview. Den Soundcheck hat die Band nach wenigen Minuten beendet. „Man versteht zwar kaum etwas, weil es hallt wie die Sau, aber es passt schon“, meint Reisacher zu dem Helfer, der mit einem Funkgerät den Kontakt zur Stadionregie hält. Der gibt den Musikern noch einen Tipp: „Wenn ihr seht, dass unsere Fans in der Cannstatter Kurve bei eurem Lied abgehen, dann dreht euch ruhig in deren Richtung. Das sind die Treusten der Treuen.“

Kurz vor 16.30 Uhr herrscht rege Betriebsamkeit im Vip-Raum. Während „Pomm Fritz“ sich als Bühnen-Outfit Anoraks anziehen und bunte Pudelmützen aufsetzen, sind die „Konkurrenten“ der Band „Lokalhelden“ schon längere Zeit in einer Umkleidekabine verschwunden, um sich schick zu machen. Zur Verstärkung bringen sie sogar noch zwei junge Damen in kurzen, roten Kleidchen mit. „Das Auge isst ja schließlich auch mit“, scherzt Stefan Reisacher, als beide Bands sich im Stadioninneren wieder treffen. „Ich hoffe nur, dass es bei uns nicht mit isst“, meint er lachend beim Betrachten der dicken Winterjacken bei sich und seinen Bandkollegen.

Beifall der Fans

Pünktlich um 16.57 Uhr stehen „Pomm Fritz“ startklar auf der kleinen Bühne. Ihr Lied muss aber zunächst warten, weil just in diesem Moment die VfB-Spieler unter dem Jubel der Fans ins Stadion einlaufen. Danach geht’s endlich los: Das Akkordeon-Intro ertönt und die fünf „Pomm Fritzler“ geben an ihren Instrumenten zum Vollplayback alles. Ein Kameramann umkreist sie, auf der Videoleinwand sind die Musiker in Großaufnahme zu sehen. Und auch das Publikum wippt zu dem etwas kölsch-karnevalesk anmutenden Lied mit. Stefan Reisacher fordert die Fans zum Mitklatschen auf. Nach gut drei Minuten ist alles vorbei, aus der Cannstatter Kurve gibt’s anerkennenden Beifall der VfB-Fans – Erleichterung bei den Musikern.

In Windeseile wird nach dem Auftritt das Schlagzeug abgebaut, während wenige Meter nebenan Talkmaster Harald Schmidt, umringt von einem Dutzend Fotografen, das Spiel für einen Privatsender kommentiert. Als alle Instrumente wieder sicher verstaut sind, geht es auf die Tribüne, denn schließlich wollen „Pomm Fritz“ sehen, wie leistungssteigernd sich ihre Fanhymne auf die VfB-Profis auswirkt. Als Doping taugt sie allerdings wohl nur bedingt. Der VfB bietet zwar keine schlechte Leistung, der FC Bayern ist im Nutzen seiner Chancen aber einfach cleverer. So steht’s am Ende 0:2, für „Pomm Fritz“ bleibt jedoch die Hoffnung am Ende doch noch als Sieger dazustehen - sofern sich der VfB im Mai für ihr Lied entscheidet.

Weitere Fotos vom Auftritt gibt es auf www.schwäbische.de/biberach

Welches Lied die VfB-Hymne wird, entscheiden unter anderem Vereinsmitglieder und Fanclubs per Online-Abstimmung. Es fließen aber auch die Downloadzahlen des Songs bei Amazon und iTunes mit ein (Suchbegriff: „Mir em Süda von Deutschland“).

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