Polizei befreit „Bernd das Brot“ aus Kellergewölbe

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Deutsche Presse-Agentur

Der ganze Trubel hat die Laune von „Bernd das Brot“ sicherlich nicht gehoben, dennoch dürfte auch bei dem notorischen Griesgram die Freude überwiegen.

Fast zwei Wochen nach dem Diebstahl der überlebensgroßen Kunststoffstatue des Ki.Ka-Stars vom angestammten Platz neben dem Erfurter Rathaus stießen Jugendliche zufällig auf das Versteck. Polizisten konnten am Sonntag die knapp zwei Meter große und 125 Kilogramm schwere Figur unversehrt aus dem kalten Kellergewölbe einer verfallenden Kaserne bei Nohra in der Nähe von Erfurt retten. Noch wird das Kastenbrot mit den viel zu kurzen Armen auf Spuren untersucht, doch danach soll die Kultfigur so schnell wie möglich auf den Marktplatz zurückkehren, versichert Stadtsprecherin Inga Hettstedt.

Nach der Befreiung der überaus populären Werbefigur des ARD/ZDF-Kinderkanals wird auch über deren Sicherheit neu nachgedacht. „Wir werden Bernd keine Personenschützer zur Seite stellen können, aber das passiert nicht nochmal“, meint Hettstedt. „Wir suchen gemeinsam mit der Polizei nach einer geeigneten Variante, die nicht so offensichtlich ist“, gibt sich die Stadtsprecherin aber bedeckt. Bernd war bis zu seinem mysteriösen Verschwinden am 21. Januar beliebtes Fotomotiv bei den großen und kleinen Besuchern der Thüringer Landeshauptstadt, in der auch der Ki.Ka seinen Sitz hat. Zu dem Diebstahl hatten sich Sympathisanten von Erfurter Hausbesetzern in einem Schreiben und in einer Videobotschaft bekannt. Von da an blieb der miesepetrige Liebling der Kinder spurlos verschwunden.

Zahlreiche Bernd-Fans hatten sich seither mit Anrufen und Mails an den Erfurter Sender gewandt und ihre Empörung sowie Solidarität mit Bernd bekundet. „Schüler wollten bis zur Wiederkehr der Figur in den Streik treten oder gar ihr Taschengeld spenden“, berichtet Ki.Ka-Programmgeschäftsführer Steffen Kottkamp. „Wir sind froh, dass wir ihnen jetzt ihre Sorge wieder nehmen können“, zeigt sich Kottkamp erleichtert. In einer Internetabstimmung des Kinderkanals zeigten sich am Montag mehr als 53 Prozent froh über das Auftauchen der gestohlenen Figur. Knapp 17 Prozent war es egal, schließlich war Bernd ja noch im Fernsehen zu sehen.

Das überlebensgroße Abbild des Grimme-Preisträgers Bernd war im Sommer 2007 - zum zehnten Ki.Ka-Jubiläum - in der Erfurter Altstadt aufgestellt worden. Vor seiner Entführung war das stets nach Ruhe suchende Kastenbrot bereits zweimal Angriffen ausgesetzt. Erst wurde es beschmiert und dann umgeworfen. „Das könnte damals schon ein erster Entführungsversuch gewesen sein“, mutmaßt Thomas Krappweis, aus dessen Feder die Geschichten um Bernd und seine Freunde Chili das Schaf und Briegel der Busch stammen. „Dennoch halte ich es für albern, wenn wir jetzt einen Wassergraben mit Krokodilen um das Denkmal ziehen“, meint der Bernd-Erfinder. Lieber sollten die Leute zur Abwechslung Bernd einfach mal in Frieden lassen. „Denn jede Art von Aufregung ist zu viel für ihn.“

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