Platt und ausgetrocknet bei Leichtathletik-EM: Richard Ringer steigt vorzeitig aus

Lesedauer: 4 Min

Richard Ringer zeigte es selbst an, als er acht Runden vor Ende des 10
000-Meter-Rennens ausstieg: Das war nix.
Richard Ringer zeigte es selbst an, als er acht Runden vor Ende des 10 000-Meter-Rennens ausstieg: Das war nix. (Foto: imago)

Es war ein schwarzer EM-Abend für Richard Ringer vom VfB Friedrichshafen. Als klare Nr. 1 Europas war der 29-Jährige Unteruhldinger über 10000 Meter an den Start gegangen, doch relativ schnell war am Dienstag Abend klar: Das würde nichts werden mit dem erhofften Heim-Titel bei der Leichtathletik-EM in Berlin. Ringer quälte sich, kämpfte mit schmerzverzerrtem Gesicht, doch dann gab er acht Runden vor Schluss in der Hitzeschlacht bei der ersten Titelvergabe im Olympiastadion entkräftet auf. Er hatte der Hitze von 31 Grad Tribut gezollt.

Ringer reiste als Nummer 1 an

„Meine Beine gingen nicht, waren irgendwie platt“, sagte Ringer, der so selbstbewusst und mit so großen Erwartungen nach Berlin gereist war, später in der Mixed Zone einigermaßen gefasst. „In den Oberschenkeln kam einfach kein Sauerstoff an, die brannten nur noch, und mein ganzer Körper fühlte sich total ausgetrocknet an. Woran das liegt, werden wir mit den Ärzten und Trainern klären. An der Vorbereitung in Kienbaum lag es jedenfalls nicht. Die war Weltklasse.“

Seine Aufgabe bei rund 7000 Metern, als noch acht Runden zu laufen gewesen wären, sei auch eine Frage der Vernunft gewesen. Ringer lag an 14. Position, hatte mehr als sechs Sekunden Rückstand, „ich hätte keine Chance mehr gehabt, es wäre blöd gewesen, sich bis zum Schluss und zur totalen Erschöpfung zu verausgaben“, sagte er. Fast noch prägnanter hatte er es unmittelbar nach seinem Ausscheiden im ZDF gesagt: „Mein Ziel hier war eine Medaille, da nützt es mir nichts, Zehnter zu werden oder so.“

Samstag noch die 5000 Meter

Wie auch immer: Am Samstag stehen noch die 5000 Meter an, wo er sich zumindest vor dem enttäuschenden ersten EM-Abend ebenfalls Hoffnungen machen durfte. „Vielleicht liegen mir die ganz großen Rennen nicht", sagte der EM-Dritte von 2016 noch, „und klar ist: Auch für die Sportförderung oder die Sponsoren zählt nur der EM-Titel. Bronze bedeutet da nichts“, so Ringer, der seit diesem Jahr Profi ist. Immerhin: Bei seiner Auslaufrunde jubelten die 34 000 Fans im Olympiastadion Ringer aufmunternd zu.

Europameister wurde Morhad Amdouni aus Frankreich (28:11,22). Silber sicherte sich der Belgier Bashir Abdi (28:11,76), Bronze ging an den Italiener Yemaneberhan Crippa (28:12,15).

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen