Plötzlich flattert ein falscher Haftbefehl ins Haus

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 Hella Schimkat zeigt den falschen Haftbefehl.
Hella Schimkat zeigt den falschen Haftbefehl. (Foto: sbo)
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Mit einem falschen Haftbefehl wurde eine Rentnerin in Villingen konfrontiert. Hinter dem echt anmutenden Schreiben verbirgt sich allerdings wieder einmal eine dreiste Betrugsmasche, die in der Region wohl neu ist.

„Der sieht richtig echt aus“, muss Hella Schimkat zugeben, während sie sich den „Haftbefehl“ nochmals durchliest. Adressiert ist das Schreiben an ihre korrekte Wohnadresse und auch ihr Geburtsdatum stimmt. Unten prangt außerdem das Siegel des Amtsgerichts sowie die Unterschrift eines Justizhauptsekretärs.

Getitelt wird der Brief von einem Hamburger Gerichtsvollzieher mit „Zwangsvollstreckungssache“. So sei der Beamte im Besitz eines Haftbefehls, der gegen die Frau ausgestellt wurde. Und: „Ich bin beauftragt, Sie zur Erzwingung der Abgabe der Vermögensauskunft zu verhaften“. Grund für die Zwangsvollstreckung sei eine offene Forderung aus einem Online-Gewinnspiel in Höhe von über 4500 Euro.

Doch der aktiven Rentnerin wird schnell klar, dass es sich bei diesem offiziell anmutenden Schreiben um eine dreiste Fälschung handeln muss. Zwar habe sie sich zunächst gefragt, ob sie vielleicht aus Versehen bei einem solchen Gewinnspiel mitgemacht habe, doch dass ohne Vorankündigung ein solcher Haftbefehl ins Haus flattert, sei nicht gewöhnlich. „Schließlich hätte ich erst eine Rechnung und entsprechende Mahnungen erhalten müssen“, erklärt Schimkat.

Ihr Wissen diesbezüglich kommt nicht von ungefähr, denn die Villinger Bürgerin erhält öfter gefälschte Abzock-Schreiben. Mal kleinere Beträge für Lieferungen, die sie aber nie erhalten hat, dann Zahlungsaufforderungen für ein Zeitschriftenabo oder auch eine „ziemlich kräftige Summe“ für eine Öl-Lieferung, für die sie keine Verwendung hat und deshalb auch nicht bestellt hatte. Doch warum landen solche Schreiben ausgerechnet so oft bei ihr? „Das hängt vermutlich mit meinem Alter zusammen und dass ich alleinstehend bin“, so Schimkat, die lachend ergänzt: „Die wissen vermutlich nicht, ob ich schon total verblödet bin.“

Die Rentnerin könne sich gut vorstellen, dass solche gefälschten Schreiben – oder auch der häufig erfolgreiche angewendete Enkeltrick – aufgrund der Authentizität bei anderen Menschen zum Erfolg führen. Verwundert habe sie sich im Falle des Haftbefehls aber, dass dieser per E-Mail gekommen ist, „wobei heutzutage ja viele Dinge per Mail verschickt werden“.

Die Polizei spricht in dieser Angelegenheit von einem außergewöhnlichen Fall. „So etwas ist uns bisher noch nicht untergekommen“, berichtet Polizeisprecher Dieter Popp auf Anfrage unserer Zeitung. Das gefälschte Schreiben sei aus Sicht der Polizei gleich aus mehreren Gründen strafbar. „Es handelt sich nicht nur um einen Betrugsversuch, sondern ebenso um Amtsanmaßung“, so Popp. So würde der Absender vortäuschen, Angehöriger des Gerichts zu sein. Auch das Siegel inklusive einer Unterschrift würde vortäuschen, es handle sich um ein offizielles Schreiben.

Der Polizeisprecher betont in diesem Zusammenhang aber insbesondere, dass amtliche Schreiben niemals per E-Mail versendet werden. „So etwas kommt immer als Schriftstück und oft auch mit einer Zustellungsurkunde“, berichtet Popp.

Grundsätzlich könne man sich bei Zweifel an amtlichen Schreiben an die Polizei wenden. Auch wenn Bankleitzahlen aus dem Ausland für Überweisungszwecke genutzt werden sollen, sei größte Vorsicht geboten.

Schon bei den geringsten Zweifeln in diesem Zusammenhang sei es ratsam, sich bei der Polizei darüber zu informieren, ob es sich möglicherweise um eine Betrugsmasche handelt. „Ideen gehen den Betrügern nie aus, auch die Masche mit dem Haftbefehl wird sicherlich immer wieder kommen“, ist sich Polizeisprecher Popp sicher. Die notwendigen persönlichen Daten von Betroffenen, um das Schreiben noch authentisch zu gestalten, würden meist im Internet abgegriffen.

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