Ping-Pong mit dem ganzen Körper: Exotensport Diäsch

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Deutsche Presse-Agentur

Es ist wie Ping-Pong, aber mit dem ganzen Körper: Beim Diäsch schlägt man die Kugel mit dem Fuß, Kopf oder der Hand auf die Tischtennisplatte. Erfunden wurde die Exotensportart im Münsterland - dort sind auch einige der bundesweit 120 Diäsch-Spieler aktiv.

Wie ein winziger Komet knallt der orangefarbene Ball auf die Tischtennisplatte. Der Schlag war hart, doch Gunnar läuft ein paar Schritte rückwärts und stoppt den Ball mit der Brust. Dann kickt er die 2,5 Gramm leichte Zelluloid-Kugel ein-, zwei-, dreimal mit dem Knie in die Höhe und katapultiert sie blitzschnell zurück auf die gegnerische Tischseite. Helge reagiert zu spät. Punkt für Gunnar.

Diäsch ist das westfälische Wort für Tisch und der Name jener exotischen Sportart, die Helge Althoff (37) und Gunnar Vogelsang (33) an diesem Nachmittag in einer Turnhalle in Münster trainieren. Dabei geht es viel lockerer zu als beim Tischtennis. „Die Regeln sind nicht so streng und man kann viel ausprobieren“, sagt Althoff, einer der Erfinder des Diäsch. Die Grundregel lautet: Der Ball ­ die Profis sagen „Prelk“ ­ darf pro Spielzug mit allen Körperteilen beliebig oft berührt werden, jedoch nur einmal mit der Hand oder dem Arm. Diäsch-Profis beherrschen eine Reihe geschickter Techniken („Moves“), um dem Gegner den Prelk um die Ohren zu hauen, zu schießen oder auch zu köpfen.

Mit einem sogenannten „Block“ hat Helge eben einen Punkt erzielt. Auf der Tischtennisplatte kniend hat der 37-Jährige über dem Netz den hohen Ball seines Kontrahenten Gunnar abgefangen und zurückgeschmettert. Ein Spielzug, der beim Tischtennis verboten wäre. Beim Diäsch ist es erlaubt, es wird viel rumexperimentiert. „Gute Diäscher haben nicht nur Ballgefühl, sondern sind vor allem auch kreativ“, sagt Diäsch-Profi Gunnar Vogelsang. Leidenschaftliche Prelker seien ganz heiß darauf, neue Techniken zu erfinden und zu lernen.

Erfunden wurde der Sport in der Kleinstadt Greven bei Münster. 20 Jahre ist das her. Heute gebe es bundesweit rund 120 Diäscher, schätzt Althoff. Eine kleine, eingeschworene Gemeinschaft, die sich jedoch organisiert hat. Es gibt den Deutschen Diäsch Verband, einen Bundestrainer und einen Präsidenten. Jährlich finden Weltmeisterschaften statt, im Sommer und Winter, und alle vier Jahre eine Olympiade.

Selbstverständlich gibt es auch eine Weltrangliste. Ein Blick darauf verrät, dass die Diäscher sich und ihre exotische Sportart mit einem gewissen Augenzwinkern betrachten: „Sexy Knee“, „Krake“, „Wonderfoot“ - jeder Spieler auf der Liste hat einen Spitznamen. Und bei den Turnieren gibt es nicht, wie bei so manchem anderen Sportwettkampf, viel Geld zu gewinnen. Bei der Sommer-Weltmeisterschaft etwa geht es um die Wurst ­ und zwar eine geräucherte Knackwurst. „Der Spaß steht eben an erster Stelle“, sagt Althoff.

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