Pille, Hormonpflaster und Co.: Richtig verhüten

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Deutsche Presse-Agentur

Kribbeln im Bauch, lange Küsse: Viele Mädchen haben einen Freund und möchten irgendwann auch mit ihm schlafen. Dabei ist es wichtig, sich schon vor dem ersten Mal Gedanken über Verhütung zu machen.

Welche Verhütungsmittel sich besonders für junge Frauen eignen und was man sonst noch beim Thema Verhütung beachten muss, erklärt Christian Albring von den Berufsverbänden der Frauenärzte in Deutschland aus Hannover.

Was ist ein gutes Verhütungsmittel für Mädchen?

Viele junge Frauen nehmen die Anti-Baby-Pille, kurz Pille genannt. „Sie ist meist gut verträglich und vor allem sehr sicher“, sagt Albring. Man nimmt drei Wochen lang jeden Tag eine Tablette. Dann macht man eine siebentägige Pause, in der die nächste Monatsblutung beginnt. „Ein großer Vorteil der Pille ist, dass mit ihr die Blutung regelmäßig kommt und meist nicht mehr so stark ist.“ Außerdem gibt es fast keine Zwischenblutungen mehr. Unterleibsschmerzen oder Kopfweh lassen oft deutlich nach.

Wie wirkt die Pille?

Sie enthält künstliche weibliche Hormone. Diese gaukeln dem Gehirn vor, dass der Körper eigene Hormone produziert. Deswegen fordert das Hirn die Eierstöcke nicht mehr auf, Eier zu produzieren - es gibt also gar keinen Eisprung und damit kein Ei, das befruchtet werden kann. Die Pille verdickt außerdem den Schleim im Gebärmutterhals, so dass keine Spermien durchkommen können. Mit einer Anti-Baby-Pille geht man also doppelt sicher.

Was ist, wenn ein Mädchen die Pille nicht gut verträgt?

Es gibt noch andere Verhütungsmittel, die sich gut für junge Frauen eignen: Das Hormonpflaster und den Hormonring. „Beide enthalten Hormone und verhüten daher sehr sicher“, erklärt die Medizinerin Ursula Marschall vom Kompetenzzentrums Gesundheit der Barmer-Krankenkasse in Wuppertal. Das Pflaster ist etwa vier mal vier Zentimeter groß und wird einmal pro Woche auf die Haut geklebt, zum Beispiel den Oberarm. „Damit kann man ganz normal duschen oder schwimmen gehen.“ Der Ring hat einen Durchmesser von rund fünf Zentimetern und wird einmal im Monat wie ein Tampon in die Vagina eingesetzt. „Beide Mittel geben die Hormone dann regelmäßig ins Blut ab“, sagt Marschall. Der Nachteil ist aber, dass man das Pflaster am Körper sieht und Mädchen sich den Ring selber immer wieder neu in die Scheide einsetzen müssen. Das ist vielen unangenehm.

Was ist mit dem Kondom?

Ein Kondom hat den Vorteil, dass es vor Aids, Hepatitis und Geschlechtskrankheiten schützt. Dafür muss das es aber richtig aufbewahrt und angelegt werden, wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus Köln in ihrer Broschüre „Sex'n'Tipps“ erklärt. Wenn ein Junge nicht weiß, wie er mit einem Kondom umgeht, kann es sein, dass es einreißt und nicht mehr sicher verhütet.

Kann man den Sex nicht einfach vor dem Samenerguss beenden?

„Der sogenannte Koitus interruptus ist überhaupt nicht sicher“, warnt Marschall. „Spermien können nämlich schon weit vor dem Orgasmus in die Scheide gelangen.“ Deswegen ist es wichtig, bereits vor Beginn des Geschlechtsverkehrs ein Kondom zu benutzen. Denn sonst kann es zu einer Schwangerschaft kommen.

Hat es Einfluss auf die Verhütung, wenn man Alkohol trinkt?

Beim Pflaster, dem Ring und dem Kondom nicht. „Bei der Pille ist wichtig, dass man sie jeden Tag etwa zur gleichen Zeit einnimmt, also zum Beispiel morgens vor der Schule oder vorm Schlafengehen“, sagt Albring. Daran muss man trotz einer Party denken. „Wenn man sich außerdem innerhalb von vier Stunden nach Einnahme der Pille übergibt, dann muss eine Pille nachgenommen werden, am besten die letzte aus der Packung.“ Wenn eine Pille vergessen wurde, sollte man in diesem Regelzyklus zusätzlich mit einem Kondom verhüten oder mit dem Frauenarzt über andere Maßnahmen sprechen.

Macht die Pille dick?

„Früher konnte häufig eine Zunahme des Appetits bemerkt werden“, sagt Marschall. Aber mittlerweile wurden die Pillen so verändert, dass die Konzentration der Hormone sehr gering ist und das durchschnittliche Gewicht aller beobachteten Frauen konstant bleibt.

Infos zum Thema Verhütung (Stichwort Infomaterialien): www.bzga.de

Sexualaufklärung für Jugendliche: www.loveline.de

Minderjährige können auch ohne Erlaubnis ihrer Eltern verhüten. „Mädchen über 14 Jahren brauchen keine Einverständniserklärung“, sagt der Frauenarzt Christian Albring. Allerdings muss man zum Arzt, weil es Präparate wie die Pille nur mit Rezept gibt. Mädchen bis zum 18. Lebensjahr müssen nichts für die Pille bezahlen. Und vom 18. bis 20. Lebensjahr muss man für ein Drei-Monats-Rezept nur fünf Euro zahlen.

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