Piano-Jazz für den Sommer: Shalosh und Daniel García Trio

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Deutsche Presse-Agentur
Werner Herpell

Israel wird zum Hotspot eines ambitionierten jungen Mainstream-Jazz, Spanien ist auf der Landkarte des Genres eher noch ein weißer Fleck. Jetzt treten mit Shalosh aus Tel Aviv und dem Daniel García Trio aus Salamanca zwei tolle neue Piano-Jazz-Bands ins Rampenlicht.

Beispielsweise die beiden Virtuosen mit dem identischen Namen Avishai Cohen (ein Bassist und ein Trompeter) sowie Pianist Shai Maestro verblüfften in den vergangenen zehn Jahren als Jazz-Grenzüberschreiter aus Israel. Da wundert man sich nicht, wenn SHALOSH nun mit dem Album „onwards and upwards“ (ACT) eine weitere formidable Kostprobe dieser blühenden Szene abliefern.

Gadi Stern (Keyboards), David Michaeli (Bass) und Matan Assayag (Schlagzeug) verbinden modernen Mainstream-Jazz mit Klassik-Elementen, Anklängen an nah- und mittelöstliche Folklore und der rhythmischen Wucht von Rockmusik. Dass Shalosh - neben Johannes Brahms, Ahmad Jamal und The Bad Plus - für Nirvana schwärmen, erstaunt daher nicht. Ein Track heißt „Children Of The 90's“, außerdem adaptieren sie gekonnt die aus Pop und Fußballstadien berühmte Hymne „You'll Never Walk Alone“ und „Take On Me“ von den Norwegern a-ha.

Stilbarrieren sind für Shalosh also nur dazu da, übersprungen zu werden. Ihre Musik ist raffiniert und leichtfüßig, romantisch und melancholisch - teilweise in ein und demselben Stück. Das Können an den Instrumenten wird nicht eitel ausgestellt, sondern in einem spannungsreichen, temperamentsprühenden Sound gebündelt.

Das in Göteborg aufgenommene Album der Kindheitsfreunde Stern, Michaeli und Assayag sei „ein großer postmoderner Spaß“, freut sich Siggi Lochs Label ACT über seine nächste Neuentdeckung. Und das Trio hat noch einiges vor nach seinem feinen Debüt, das im Titelstück mit einem großen Chor-Arrangement endet: „Wir ruhen uns nicht auf dem Erreichten aus, sondern wollen mit Shalosh immer wieder neue musikalische Abenteuer erleben“, verspricht Gadi Stern.

Apropos musikalische Abenteuer: Diesen Anspruch haben mindestens ebenso wie Shalosh die drei jungen Spanier vom DANIEL GARCÍA TRIO. Dass Flamenco immer etwas mit Gitarren, Kastagnetten und rhythmischem Hände-Klatschen zu tun hat - diese alte Gewissheit bröckelt, wenn man das Album „Travesuras“ (ACT) hört.

„Flamenco und Jazz sind Brüder. Beide haben ähnliche Wesensmerkmale: Selbstausdruck, völlige Hingabe im Moment des Musizierens sowie das tiefe Erleben im Augenblick“, sagt Pianist García, dem zusammen mit Bassist Reinier Elizarde „El Negron“ und Schlagzeuger Michael Olivera (und in zwei Tracks mit Flötist Jorge Pardo) eine höchst an- und aufregende Mixtur gelingt.

Wichtigster Einfluss war der panamaische Piano-Jazz-Veteran Danilo Pérez, der am berühmten Bostoner „Berklee College of Music“ Garcías Lehrer war. Den Klassik- und Folklore-Hintergrund seiner Stücke erwarb der 1983 in Salamanca geborene Musiker durch eine Konservatoriumsausbildung in seiner Heimatstadt.

Manchmal blitzt auf „Travesuras“ der eine Bestandteil dieses farbenfrohen Fusion-Sounds stärker hervor, dann wieder ein anderer: In „Dream Of Mompou“ sind es die Werke des klassischen spanischen Komponisten Frederic Mompou, in „Dream of Miles“ ist es Miles Davis (der 1960 auf dem Albumklassiker „Sketches Of Spain“ selbst eine Art Flamenco-Jazz gespielt hatte).

Doch stets bleiben bei García die Stilelemente in den elf Tracks harmonisch miteinander verbunden. Sommerlicher kann Jazz kaum klingen - dass dieses hoch talentierte Piano-Trio dabei Spanien-Klischees konsequent vermeidet, ist eine Kunst für sich.

Aktuell zum Weiterhören für Piano-Jazz-Fans:

FRANZ VON CHOSSY TRIO (Niederlande) - „Life Theater“, erschienen am 26. April über o-tone music/edel kultur

GWILYM SIMCOCK (Großbritannien) - „Near And Now“, erschienen am 26. April über ACT

DOCK IN ABSOLUTE (Luxemburg/Belgien) - „Unlikely“, erschienen am 10. Mai über Cam Jazz/Harmonia Mundi

Website Shalosh

Website Daniel García Trio

Label-Website

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