Pflegedienste stellen sich auf Migranten ein

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Deutsche Presse-Agentur

In der Fremde alt und auf Pflege angewiesen: Immer mehr Senioren in Deutschland haben ihre Wurzeln in der Türkei, Russland oder Spanien. Allein in Niedersachsen leben etwa 640 000 über 60-Jährige mit Migrationshintergrund.

In zehn Jahren werde sich ihre Zahl nahezu verdoppeln, sagt die Leiterin der Interkulturellen Seniorenarbeit bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Hannover, Fatma Taspunar. Mit steigendem Alter benötigen viele von ihnen Pflege. Dienstleister reagieren auf den Wandel der Patienten und bieten kulturbezogene Angebote an. Das Sozialministerium stellt sich ebenfalls auf eine wachsende Zahl von pflegebedürftigen Migranten der ersten Generation ein und fördert interkulturelle Schulungen.

Fernando Angel Cubillos ist einer von drei Geschäftsinhabern eines Pflegedienstes in Hannover, der sich auf die Betreuung von älteren Migranten spezialisiert hat. Allerdings soll dieses Angebot keineswegs ausgrenzen, sondern speziellen Bedürfnissen gerecht werden. „50 Prozent unserer 70 Patienten sind Migranten, die anderen Deutsche“, berichtet Cubillos. Die meisten der ausländischen Senioren stammen aus der Türkei, Russland und den Ländern des spanischen Sprachraums.

Dementsprechend ist auch das Personal des Kolumbianers geschult, um auf die Patienten zu reagieren. „Wir achten zum Beispiel darauf, speziell zubereitete Speisen wie koscheres Essen und Gerichte ohne Schweinefleisch bei Bedarf zu liefern“, sagt Cubillos. Dass muslimische Seniorinnen nicht von männlichen Pflegern gewaschen werden wollen, kann er nicht bestätigen. Das sei ein Klischee, das sich nicht verallgemeinern lasse. Was Cubillos aber auffällt ist, dass Senioren mit Migrationshintergrund einen höheren Bedarf haben zu reden.    

Bei der Pflege legt Cubillos Wert darauf, dass nicht nur Pfleger aus den jeweiligen Kulturen die Senioren betreuen. Er legt Wert auf einen Austausch zwischen den verschiedenen Kulturen. „Sprache ist zwar wichtig, aber wir können nicht alle Sprachen perfekt. Man muss dann sensibel genug sein, um sich zu verständigen“, meint er. Für eine kultursensible Altenpflege müssten sich Einrichtungen anderen Kulturen öffnen. Deshalb will Cubillos in naher Zukunft ein Seniorenzentrum in Hannover errichten, in dem zum Beispiel Gebetsräume für die zwei größten Konfessionen integriert sind und die Feste aus den verschiedenen Kultur- und Religionskreisen gefeiert werden sollen.

Möglichst flächendeckend Ausländer über das deutsche Gesundheitswesen informieren möchte das Ethno-Medizinische-Zentrum in Hannover, das vom Land bezuschusst wird. Seit August letzten Jahres hat das Zentrum 65 muttersprachliche Mediatoren in Nienburg, Hildesheim, Gifhorn Hannover und Braunschweig ausgebildet. In möglichst vielen Städten sollen die Zuwanderer ihre Landsleute über das Gesundheits- und Pflegesystem informieren. „Wir wollen gemeinsam sprachliche und andere Barrieren abbauen und ganzen Familien die vielfältigen Möglichkeiten unseres Gesundheitswesens näher bringen“, erklärte Sozialministerium Mechthild Ross-Luttmann (CDU).

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