Per Tastendruck von Mac zu Windows

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Deutsche Presse-Agentur

Zu 100 Prozent konsequent zu sein, ist schwierig. Das gilt auch für die Entscheidung für ein bestimmtes Betriebssystem: Mac OS etwa ist sehr komfortabel. Doch die Auswahl an gewissen Programmen für den Mac ist begrenzt.

Abhilfe schafft in vielen Fällen die sogenannte Virtualisierung. „Mit Hilfe der Virtualisierung lassen sich auf demselben Computer zusätzliche virtuelle Rechner bereitstellen, die unabhängig voneinander laufen“, erklärt Sven Ahnert, IT-Expert und Sachbuchautor aus dem sächsischen Meerane. Das Interessante daran sei, dass man ohne zusätzliche Hardware auskommt. So kann man neben Mac OS X zum Beispiel noch Windows XP laufen lassen.

Vor allem viele Steuer- und Finanzprogramme sind für Mac OS nicht erhältlich. Die Finanzsoftware „Quicken“ zum Beispiel gibt es nicht für Mac OS X. „Solche Programme laufen prima in der Virtualisierung“, sagt Walter Mehl von der Zeitschrift „Macwelt“. Grundsätzlich seien die Unterschiede in der Geschwindigkeit zum Einsatz auf einem echten Rechner gleich Null, wenn einfache Anwendungen laufen, erklärt Walter Mehl. Aufwendigere Software wie 3D-Design laufe in der Virtualisierung jedoch „unanständig langsam.“

Man müsse sich klarmachen, dass im Rahmen der Virtualisierung zwei Betriebssysteme auf dem Rechner laufen, sagt Mehl. Daher sollte ein Rechner mit mindestens zwei Gigabyte Arbeitsspeicher zum Einsatz kommen. Ältere Mac mini oder Macbooks, die keine eigene Grafikkarte besitzen, für die Virtualisierung zu verwenden, ist laut Mehl nicht sinnvoll. Abgesehen davon muss es ein Mac mit Intel-Prozessoren sein.

Ein bekanntes Virtualisierungsprogramm heißt VirtualBox. Es stammt vom Hersteller Sun und ist kostenlos erhältlich. VirtualBox gibt es nicht nur für Mac OS, sondern auch für Windows, Linux und OpenSolaris. Die Auswahl der Systeme, die in der VirtualBox ausgeführt werden können, ist noch größer: Dazu zählen neben verschiedenen Versionen der bereits genannten Windows, Linux und Mac OS noch DOS, Solaris, OpenSolaris und OpenBSD.

Die großen Zwei unter den kommerziellen Anbietern von Vitualisierungssoftware sind VMware und Parallels. Deren neueste kostenpflichtige Virtualisierungsprogramme für den Mac heißen „Fusion“ (VMware) und „Parallels Desktop 4.0 für Mac“. Beide Hersteller bieten eine ganze Reihe von Programmen an - manche sind sogar kostenlos. Da sollte man sich überlegen, ob man die eine oder andere Funktion benötigt, die nur in den Bezahl-Programmen steckt.

Interessant sei die sogenannte Snapshot-Funktion, sagt Virtualisierungsexperte Ahnert. Diese erlaubt es, eine Momentaufnahme vom virtuellen System zu machen. Auf diese kann bei Bedarf wie auf einen Wiederherstellungspunkt zurückgegriffen werden, sollte das System einmal aus den Fugen geraten. Egal ob gekauft oder eines der vielen kostenlosen Programme - bevor die Virtualisierungssoftware installiert wird, sollte zur Sicherheit ein Backup gemacht werden.

Apple liefert seine Rechner beziehungsweise das Betriebssystem Mac OS X mit dem Programm Boot Camp aus. Es bringt auf Apple-Rechnern mit Intel-Prozessoren nach Angaben des Herstellers die meisten 32-Bit-Versionen von Windows XP und Windows Vista zum Laufen. Dazu erstellt Boot Camp auf der Festplatte eine eigene Partition für Windows. Die Daten unter Mac OS bleiben davon unberührt. Nach der Installation von Windows kann der Mac-Besitzer jeweils beim Start wählen, mit welchem Betriebssysteme er arbeiten möchte. Der Nachteil dieser Lösung ist, dass ein Wechsel zwischen den Betriebssystemen anders als bei der Virtualisierung einen Neustart erfordert.

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