Patricia Kaas eröffnet ihr „Kabaret“

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Deutsche Presse-Agentur

Graue Betonwände im Inneren und eine schmucklose Außenfassade: Die Stuttgarter Liederhalle ist ganz sicher kein Ort für verruchte Varieté-Stimmung.

Am Dienstagabend aber erklang der Blues im Beethovensaal des Zweckbaus: Patricia Kaas, trotz Präsidentengattin Bruni immer noch Frankreichs Musikstar Nummer eins, lud beim ersten Deutschland-Konzert zur Eröffnung ihres „Kabaret“. Flimmerndes Rotlicht, flackernde Schwarz-Weiß-Bilder auf Großbildleinwand und reichlich Trockeneisnebel zu schwülstigem Swing- und Charleston-Sound stellten eins klar: So viel 30er-Jahre-Retro konnten die 2200 Zuschauer zwischen den nüchternen Betonmauern selten zuvor erleben. Sie dankten es der 42-Jährigen zum Abschluss des knapp zweistündigen Konzerts mit minutenlangem Applaus.

Zuvor war Kaas erfolgreich in die Rollen berühmter Vorbilder geschlüpft, sang „Falling In Love Again“, die englische Version von Marlene Dietrichs „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, beschwerte sich wie Hildegard Knef „Das Glück kennt nur Minuten“ und erinnerte in vielen Songs immer wieder an die französische Chanson-Ikone Edith Piaf. Eine aufwendige und stimmige Inszenierung mit Balletttänzerin, effektvoll-modernen Choreographien und dezent-erotischen Clownerie-Einlagen unterstrichen das Kabarett-Gefühl zusätzlich.

Dabei war das der Tour zugrundeliegende Konzeptalbum, das neunte der Künstlerin und laut eigenen Angaben „eine Hommage an den Tango in Buenos Aires, den Jazz von Saint Germain und das damalige Kabarett in Berlin“ von der Kritik gemischt aufgenommen worden. „Geradezu akademisch“ und „mitunter seelenlos“ habe die Kaas ihr Thema aufgearbeitet, hieß es unter anderem in der Frankfurter Rundschau. Auch in Stuttgart, dem ersten von acht Deutschland-Terminen, könnte dies bemängelt werden: An der einen oder anderen Stelle säuselte, hauchte und flehte sich die Künstlerin dann doch eine Spur zu kraftlos durch ihr neues Programm.

Stärker gerieten da die ebenfalls im Varieté-Stil neu arrangierten Interpretationen älterer Erfolge der gebürtigen Lothringerin. „Mon mec à moi“, „Il me dit que je suis belle“ oder das stimmgewaltige „Je voudrais la connaître“ bekamen dann vom Publikum auch die hörbar stärksten Beifälle und „Bravo“-Rufe. Was bleibt am Ende von diesem Konzertabend? Mit Sicherheit der Eindruck „eine glamouröse Frau, eine echte Diva“ erlebt zu haben, wie eine begeisterte Zuschauerin nach dem Konzert erklärte. Eine Kabarett-Diva im Zweckbau zwar, aber immerhin.

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