Party an der Elbe: Stade wird wieder Hansestadt

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Deutsche Presse-Agentur

Zugegeben, auch in Stade ist die Zeit nicht stehengeblieben. Die 45 000 Einwohner zählende Kreisstadt an der Unterelbe ist kein Freilichtmuseum aus der Zeit Klaus Störtebekers. Aber es gibt viele Ecken, die an vergangene Jahrhunderte erinnern.

Die schmale Bungenstraße windet sich noch immer an Fachwerkfassaden und barocken Giebeln vorbei. Barock ist auch der Turm der Kirche St. Cosmae. Der Schwedenspeicher am Alten Hafen ist ein Backsteingigant, das Bürgermeister-Hintze-Haus punktet mit einer Renaissancefassade, die in Norddeutschland ihresgleichen sucht. Die Stadt lohnt einen Abstecher - 2009 noch mehr als sonst.

Stade ist ziemlich alt, wie alt genau weiß keiner. Eine Siedlung mit Hafen gab es wohl schon im 8. Jahrhundert. Das erste Mal erwähnt wurde sie 994. Das Stadtrecht bekam Stade 1209 von Kaiser Otto IV. Das ist 800 Jahre her und der erste Grund, warum Stade in diesem Jahr einiges zu feiern hat. Grund Nummer zwei ist das Stapelrecht, das Stade vor 750 Jahren verliehen bekam. Vor allem beim Hansefest vom 18. bis 20. September soll dieses Jubiläum im Mittelpunkt stehen.

Was sich genau hinter dem Stapelrecht verbirgt, dürfte den meisten unbekannt sein: Es verpflichtete Kaufleute, deren Handelsschiffe aus Richtung Nordsee kommend nach Hamburg wollten, seit 1259 im Stader Hafen festzumachen. Dort mussten sie ihre Waren eineinhalb Tage lang anbieten - die Stader hatten Vorkaufsrecht. Den Hamburgern hat das nicht gefallen. Und so ließen sie eine Urkunde fälschen, die das Stader Stapelrecht aushebelte.

Stader und Hamburger sind seitdem nicht gut aufeinander zu sprechen: Beide Städte leben ganz offiziell im Dauerstreit. Der hat nun genauso offiziell ein Ende: Denn die Stader haben den Hamburger Bürgermeister zu sich eingeladen. Beim Hansefest vom 18. bis 20. September wird Ole von Beust genau wie sein Stader Amtskollege Andreas Rieckhof auf einer Kogge in den Hafen einlaufen. Beide Bürgermeister wollen dann Frieden schließen.

1261 wurde Stade Mitglied der Hanse und blieb es bis Anfang des 17. Jahrhunderts. Von 1645 bis 1712 war die Stadt dann allerdings unter schwedischer Herrschaft. Dennoch haben die Stader lange darum gekämpft, sich wieder Hansestadt nennen zu dürfen. Das ist inzwischen beschlossene Sache.

Die Urkunde, die Stade wieder zur Hansestadt macht, wird am 2. Mai von Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff verliehen - auch das ist ein Grund zum Feiern. Die Fortsetzung folgt beim Tag der Hanse am 16. Mai mit dem Stader Hansemahl: An Tischen rund um das Hafenbecken wird dann von den Stader Brüderschaften Labskaus serviert, das Traditionsgericht der Seefahrer.

Stade ist zwar kein Freilichtmuseum, hat aber eines. Es liegt auf einer Insel, die zur Schwedenzeit als Festungsvorwerk diente. Viel später, 1912, haben geschichtsbewusste Stader ein Altländer Haus hierher gebracht. Das Bauernhaus, typisch für das Alte Land, die Region rund um Stade, kann von innen besichtigt werden. Zu sehen sind dort zum Beispiel die Werkzeugkammer oder der Flett genannte Raum, in dem sich der Herd befand und Familie und Gesinde gegessen haben.

Nicht weit davon steht eine Bronzestatue des Schriftstellers und Wissenschaftlers Georg Christoph Lichtenberg: Er arbeitete 1773 ein halbes Jahr auf der Insel, um für das Königshaus in Hannover Land zu vermessen. Wenige Meter weiter hat bereits 1904 das Stader Heimatmuseum eröffnet. Es zeigt unter anderem Trachten des Alten Landes.

Informationen: Stade Tourismus, Hansestraße 16, 21682 Stade; Telefon: 04141/40 91 70.

Tourismus-Informationen über Stade: www.stade-tourismus.de

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