Paris in Aufruhr: Modenschauen für Powerfrauen

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Deutsche Presse-Agentur

Paris zieht an. Alle schienen diesmal partout hineinzuwollen, in die Laufstegpräsentationen der Prêt-à-Porter-Kollektionen der französischen Damenmode für Herbst/Winter 2009/10, die nach neun Tagen (4. bis 12. März) in die letzte Runde gingen.

Selten bettelten so viele Modeschüler verzweifelt um Karten wie etwa bei der Yves Saint Laurent-Schau, versuchten so viele Journalisten ohne Einladung sich noch irgendwie hineinzubugsieren. Bei Chanel kam es beinahe zu einer Schlägerei zwischen Fotografen um den besten Blick auf die Supermodel-Gäste Claudia Schiffer und Kate Moss. Auch bei nur mühsam zu erreichenden Schauen in einer Industriehalle im abgelegenen Bercy wie der von Lanvin oder von Hermès war der Andrang gewaltig.

Überhaupt nahmen die Besucher ungewöhnlich weite Wege geduldig in Kauf. Vom Westen der Stadt musste es in null Komma nichts zur nächsten Schau im äußeren Osten gehen, vom Süden ins Zentrum. Zwar gab es zwei Shuttle-Busse, doch die Anzahl der Plätze war begrenzt. Und da selbst einige Redakteurinnen der Hochglanzmagazine sparen und auf einen Fahrer verzichteten, quälten auch sie sich durch die in der vergangenen Woche häufig durch Unfälle oder Bauarbeiten blockierte Metro. Natürlich gründet der häufige Ortswechsel in dieser Saison auf eingeschränkten Budgets bei den Modehäusern. Etwas außerhalb ist es günstiger: Lieber zeigt man die neuesten Trends in einer Schulturnhalle als in den teuren Sälen der Luxushotels im Zentrum.

Doch gleichsam als Lohn aller Mühen gab es Entwürfe vom Feinsten. Ein sehr „angezogener“ und dennoch unkomplizierter Look gilt als Leitbild für den kommenden Winter. Selbst Luxus-Streetwear-Designer wie Marithé & Francois Girbaud oder für Romantik bekannte Labels wie Rochas oder Chloé konzentrieren sich auf den neuen „Easy Chic“, der maskuline Elemente und feminine Eleganz mixt. Brav und bieder darf es keinesfalls zugehen.

„Es muss frisch sein, Energie und Beweglichkeit ausdrücken“, charakterisiert der Berliner Top-Einzelhändler Emmanuel de Bayser (The Corner) den Stil, den seine schicken Kundinnen favorisieren. Eine neue „Power-Frau“ tritt auf den Plan, feminin und kraftvoll, nie verkrampft, sondern entspannt und souverän. Die betonten Schultern der 80er Jahre sind wieder da, doch erinnern sie nicht an Amazonen, sondern sorgen schlicht für den grandiosen Aufbau eines Kleides. Leder, Bleistiftröcke, Overknee-Stiefel, Tageskleider und lange Mäntel gelten als Schlüsselelemente der neuen Garderobe.

Die Schau von Hermès brachte diesen Trend auf vornehme Weise auf den Punkt. Designer Jean Paul Gaultier setzte auf ladyliken Fliegerlook mit Anlehnungen an die 40er-Jahre, die neben den 80ern durch viele Kollektionen geisterten. Bomberjacken aus Krokodilleder mit Fellkragen kombinierte er zu sexy Zigarettenhosen und hochhackigen Stiefeln, lange Ledermäntel zu Mini-Pulloverkleidern und Stiefeln. Daneben gab es Körperumspielendes wie schöne Marlene-Hosen und softe Wollmäntel in Grautönen. Leder-Overalls, Astrachan- Pelzröcke und schlichte Abendkleider komplettierten den Look.

Die junge Designerin Limi Feu inszenierte das Spiel von Maskulin und Feminin auf hübsche Weise und zeigte figurbetonten schwarz-weißen Dandylook, voluminöse Tweedkostüme und süße 20er-Jahre-Kleider. Ihr Lagenlook erinnert an ihren Vater, den japanischen Designer Yohji Yamamoto, wirkt aber dennoch jung und zeitgemäß.

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