Papst kann Williamson nicht erneut exkommunizieren

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Schwäbische Zeitung

Münster(dpa) - Der Papst kann die Aufhebung der Exkommunikation gegen den Traditionalisten-Bischof und Holocaustleugner Richard Williamson nicht zurücknehmen. Das katholische Kirchenrecht würde eine neue Straftat Williamsons als Voraussetzung verlangen, erläuterte der Kirchenrechtler Klaus Lüdicke.

Die Leugnung des Holocaust sei das Leugnen einer historischen Tatsache, aber keine Frage des katholischen Glaubens, sagte der Münsteraner Professor. Insofern könne Williamson, selbst wenn er die jetzt vom Vatikan geforderte Entschuldigung seines Leugnens der millionenfachen Ermordung der Juden durch die Nazis nicht liefere, nicht erneut exkommuniziert werden.

Seit dem Inkrafttreten des 1983 überarbeiteten Codex des kanonischen Rechts (CIC) hat es nach Angaben des Kirchenrechtlers seines Wissens keine Aufhebung einer Exkommunikation lebender Personen gegeben. Insofern ist der Fall der vier Traditionalisten-Bischöfe, deren Exkommunikation vom 1. Juli 1988 zurückgenommen wurde, in der Gegenwart ein Einzelfall.

Das Kirchenrecht bietet aber ausdrücklich die Möglichkeit zum Straferlass (remissio), also zur Aufhebung solcher Strafen. Die Voraussetzung hierfür ist im CIC in Can. 1347 § 2 genannt: „...wenn er (dpa: der Täter) die Straftat wirklich bereut hat und er außerdem eine angemessene Wiedergutmachung der Schäden und eine Behebung des Ärgernisses geleistet oder ernsthaft versprochen hat“. In einem solchen Fall hat der Täter gemäß Kirchenrecht sogar einen Rechtsanspruch auf Aufhebung der Exkommunikation, also die Rückkehr in die Gemeinschaft der Gläubigen.

Nach Auffassung von Lüdicke haben die vom Papst teil- rehabilitierten Traditionalisten-Bischöfe aber bisher nicht die entsprechende Reue gezeigt. In ihrem Schreiben an den Vatikan vom 15. Dezember hätten sie sich zu ihren illegalen Bischofsweihen nicht geäußert, betont Lüdicke. „Was der Papst tut, ist Vorleistung.“ Es gehe wohl darum, dass man mit den jetzt Teil-Rehabilitierten weiter im Gespräch für eine volle Eingliederung in die Kirche sein könne, was mit Exkommunizierten schwierig wäre. Lüdicke betonte, dass die vier Traditionalisten-Bischöfe bisher lediglich wieder in die Glaubensgemeinschaft aufgenommen worden seien. Zur Gemeinschaft der katholischen Bischöfe gehören sie aber bislang nicht, und sie haben auch kein Amt in der Kirche und könnten auch an keinem Konzil teilnehmen.

Anlass für die Exkommunikation waren die vier illegalen, aber formal gültigen Bischofsweihen durch Erzbischof Marcel Lefebvre, den Begründer der Traditionalisten. Die Exkommunikation ist in solchen Fällen eine sogenannte Tatstrafe, das heißt, dass durch das Tun sich die Handelnden selber aus der Gemeinschaft der Gläubigen ausschließen und der Vatikan dies feststellt. Eine solche Tatstrafe kann allein der Apostolische Stuhl wieder aufheben. Andere Tatstrafen, die zur Exkommunikation führen, können bei entsprechender Reue der Täter vom jeweiligen Ortsbischof erlassen werden.

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