Osterhase als Haustier: Kaninchen nicht allein halten

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Deutsche Presse-Agentur

In Verbindung mit Ostern ist der Hase das Symboltier schlechthin. Begegnungen zwischen dem Menschen und dem wildlebenden Schlappohr gibt es aber nur, wenn sich die Tiere beim Hoppeln über Wiesen und Felder beobachten lassen.

Zum Haustier ist dagegen das optisch ähnliche Kaninchen aufgestiegen. Die Haltung der Schlappohren ist übrigens aufwendiger als weithin angenommen. Sie sind deshalb keinesfalls die idealen Spielgefährten für Kinder.

Zur Herkunft des Brauches mit dem Hasen, der zu Ostern Eier bemalt und im Garten versteckt, gibt es verschiedenste Hypothesen. Für die einen sind Hase und Ei Fruchtbarkeitssymbole. Andere glauben an die Geschichte vom misslungenen Ostergebäck, das eigentlich ein Lamm werden sollte, sich im Ofen jedoch zum Hasen formte. Eine andere Deutung bezieht sich auf einen protestantischen Brauch aus dem 18. Jahrhundert: In katholischen Gegenden hatte sich durch die Fastenzeit zu Ostern ein großer Bestand an Eiern angehäuft. Da Protestanten ihren Kindern aber das katholische Fasten nicht erklären wollten, erfanden sie den Mythos vom eierhortenden Osterhasen.

Obwohl sich Hasen und Kaninchen auf den ersten Blick sehr ähnlich sind, haben sie nicht viel gemeinsam. „Während Kaninchen bei ihrer Geburt nackt, blind und taub sind, kommen die kleinen Hasen schon fast fertig entwickelt zur Welt“, erklärt Michael Fehr von der Tierärztlichen Hochschule in Hannover.

„Weitere Unterschiede lassen sich vor allem im Körperbau erkennen“, sagt Katrin Umlauf vom Deutschen Tierschutzbund in Bonn. „Kaninchen werden etwa zwei Kilo schwer, Hasen dagegen können, wenn sie ausgewachsen sind, fünf Kilo und mehr wiegen. Außerdem haben Kaninchen kürzere Ohren als Hasen.“ Inzwischen gibt es aber spezielle Züchtungen, die größere und schwerere Kaninchen hervorgebracht haben.

Während Kaninchen Rudeltiere sind, tun sich Hasen nur in der Paarungszeit zusammen. „Da Hasen unter Naturschutz stehen, dürfen sie nicht als Haustiere gehalten werden“, sagt Andrea Müller von der Tierrechtsorganisation PETA im baden-württembergischen Gerlingen. „Was viele Leute zu Hause haben, sind domestizierte Wildkaninchen“, so Katrin Umlauf. Doch auch die sind nach Auffassung von Tierschützern nicht als Haustiere geeignet, da sie Flucht- und Weidetiere sind. „Sie wollen nicht auf den Arm genommen werden und suchen auch nicht den Kontakt zum Menschen“, sagt Müller.

Vor allem wollen Kaninchen nicht in einem Plastikkäfig leben. „Sie müssen buddeln können, hoppeln und Haken schlagen“, erklärt Müller. Gerade für Kinder seien Kaninchen nicht die passenden Haustiere. „Die Tiere sind sehr empfindlich. Man darf sie nicht fallen lassen oder zu hart anfassen, was bei Kindern leider schnell mal passieren kann“, sagt Umlauf. Viele Leute lebten in dem Glauben, man hebe Kaninchen richtig hoch, wenn man sie nur am Nacken festhält. Die Tiere müssten aber zusätzlich am Po gestützt werden.

Auch die richtige Haltung ist aufwendig. „Auf jeden Fall sollten sie nicht allein gehalten werden, sondern mindestens zu zweit, besser noch zu dritt oder zu viert“, empfiehlt Umlauf. Auch der Mensch oder Meerschweinchen seien kein Ersatz für die geselligen Tiere. Nur Artgenossen könnten miteinander kommunizieren.

Idealerweise leben Kaninchen in einem Außengehege mit viel Auslauf und artgerechten Lebens- und Beschäftigungsmöglichkeiten.“ Wer Kaninchen trotzdem in der Wohnung halten will, sollte versuchen, beispielsweise in Form von Ästen so viel Natur wie möglich in die eigenen vier Wände zu bringen, rät Katrin Umlauf. „Kaninchen brauchen eine Schlafkiste, in der sie genug Platz haben, um sich zurückzuziehen und schlafen zu können“.

Kaninchen sind Vegetarier. Der Großteil ihrer Nahrung sollte deshalb aus Heu und im Sommer aus frischem Gras bestehen, rät Andrea Müller von der Tierrechtsorganisation PETA. Die Nager freuen sich zudem über Obst und Gemüse wie beispielsweise Äpfel und Karotten. Gleiches gilt für frische und getrocknete Kräuter wie Petersilie, Löwenzahn, Himbeer- und Brombeerblätter. Fertigmischungen sollten höchstens manchmal gefüttert werden, da sich die Tiere daran schnell überfressen, sagt Müller.

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