Ostdeutsche Familien leben moderner als westdeutsche

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Deutsche Presse-Agentur

Fast 20 Jahre nach dem Mauerfall leben ostdeutsche Familien nach Ansicht eines Experten moderner als westdeutsche. „Im Osten ist ein Kind kein Hinderungsgrund für die Berufstätigkeit der Mutter“, sagt der Bremer Soziologe Johannes Huinink.

Deshalb seien viel mehr Frauen unabhängig von dem Einkommen des Mannes. „Somit hat die Ehe in Ostdeutschland eine bedeutend geringere Relevanz als im Westen.“ Huinink geht davon aus, dass sich westdeutsche Familien in Zukunft diesem Modell annähern werden. Ausschlaggebend dafür werde der Ausbau von Kindertagesstätten in den alten Bundesländern sein. Nach Angaben des Wissenschaftlers gibt es in Ostdeutschland für etwa 40 Prozent der Kleinkinder einen Krippenplatz, in Westdeutschland dagegen nur für zehn Prozent.

Dass im Osten nach wie vor mehr Paare Kinder bekämen, liege auch am kulturellen Erbe der DDR. „Diejenigen, die heute Eltern werden, sind in klassischen DDR-Familien aufgewachsen“, erklärte der Professor. „Dort war es selbstverständlich, dass die Mutter arbeiten gegangen ist.“ In ihrer Lebensplanung sei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fest verankert. Aus dem gleichen Grund spiele in Westdeutschland die traditionelle Rollenverteilung immer noch eine große Rolle. „Die heutigen Eltern sind mit der Erfahrung aufgewachsen, dass die Mutter halt zu Hause bleibt.“

Diese Rollenbilder beeinflussen Huinink zufolge maßgeblich die Familiengröße. „In den neuen Bundesländern gibt es mehr Ein-Kind-Familien“, sagte der Forscher. Im Westen seien es meist zwei Kinder. „Woran das liegt, ist noch nicht vollständig erforscht.“ Für wahrscheinlich hält er, dass sich Paare im Westen entweder vollkommen für die Familie entscheiden und dabei Karrierebrüche in Kauf nehmen würden. Oder sie verzichteten ganz. In Ostdeutschland gehöre die Gründung einer Familie für junge Leute einfach dazu. Über weitere Kinder werde erst später entschieden.

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