Optimierung des menschlichen Körpers weiter im Trend

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Deutsche Presse-Agentur

Eine Pille gegen Prüfungsstress oder größere Lippen per Operation: Der Trend, die eigene Leistungsfähigkeit und Schönheit mit den verschiedensten Hilfsmitteln zu steigern, wird nach Ansicht des Landauer Soziologen Reiner Keller weiter andauern.

„Gerade im Berufsleben werden die Anforderungen in unserer Wissensgesellschaft immer höher. Leistungsfähigkeit, aber auch Aussehen spielen dabei eine wachsende Rolle“, sagte der Professor der Universität Koblenz-Landau. Als Beispiel nannte Keller neben Schönheitsoperationen den Einsatz von Medikamenten als „Alltagsdoping“.

Mit dem Stimulanzmittel Ritalin werden hyperaktive Kinder behandelt. „Mittlerweile nehmen es aber auch Studenten beziehungsweise Erwachsene, die damit zum Beispiel vor einer Prüfung oder einem wichtigen Arbeitstermin ihre Leistungsfähigkeit erhöhen wollen.“ Eine wesentliche Rolle kommt dabei nach Einschätzung Kellers dem Internet zu. „Viele gehen heute ja nicht mehr ratsuchend zum Arzt. Die holen sich die Informationen aus Internetforen und Blogs.“

Immer mehr Dinge, die vor einigen Jahrzehnten noch als gesund oder normal gegolten hätten, würden heute zunehmend als krankhaft oder behandlungsbedürftig angesehen, sagte Keller. So werde die Pille gegen Schüchternheit und Redeangst genauso kommen wie die Pille, die einen bestimmte traumatische - und vielleicht auch nur unangenehme - Dinge vergessen lasse. Außerdem werde der Kampf gegen das Altern, das Anti-Aging, immer früher beginnen.

Für diesen Trend verantwortlich sind nach Einschätzung Kellers eine ganze Reihe von Faktoren. „Das sind nicht einfach nur die Medizin und die Pharmaindustrie oder Teile der Medien, die dahinterstecken. Das sind ja immer die beliebtesten Sündenböcke.“ Das Ideal des andauernden Jungseins und das Recht, mit dem eigenen Körper zu machen, was man wolle, werde zum Beispiel auch in der Pop- und Alternativkultur schon immer propagiert.

Keller betonte, der Wunsch den eigenen Körper zu verbessern, sei nicht prinzipiell zu verteufeln. Eine Schönheitsoperation etwa könne für den einzelnen Menschen auch etwas Befreiendes haben, wenn er unter einem Körpermerkmal gelitten habe. Es dürfe nur kein gesellschaftlicher Zwang entstehen, mitzumachen. „Man muss die Möglichkeit haben, sich dieser Entwicklung auch zu entziehen. Wenn es zur Norm wird, seinen Körper zu optimieren, dann wird das Ganze problematisch.“

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